Politische Rechte für Ausländerinnen und Ausländer? — Die Serie

Am 17. und 18. März 2016 fan­den die 8. Aar­au­er Demo­kra­tieta­ge 2016 zum The­ma “Poli­ti­sche Rech­te für Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der?” statt. DeFac­to berich­te­te in einer aus­führ­li­chen Serie über die Ver­an­stal­tung. 

In der Schweiz woh­nen mitt­ler­wei­le rund 8.2 Mil­lio­nen Men­schen. Fast zwei Mil­lio­nen sind Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der und besit­zen daher kei­ne Schwei­zer Bür­ger­rech­te. Fast ein Vier­tel der Bevöl­ke­rung kann somit nicht an demo­kra­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen mit­wir­ken. Ver­trägt sich das mit den Idea­len der Schwei­zer Demo­kra­tie, auf die wir so stolz sind?

Das Zen­trum für Demo­kra­tie Aar­au (ZDA) hat sich zum Ziel gesetzt, zur Dif­fe­ren­zie­rung die­ser Debat­te bei­zu­tra­gen und ver­an­stal­te­te die 8. Aar­au­er Demo­kra­tieta­ge 2016 zum The­ma “Poli­ti­sche Rech­te für Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der?”.

Auf DeFac­to erschie­nen in einer beglei­ten­den Serie dazu fol­gen­de Arti­kel:


Das Ausländerstimmrecht kann undemokratisch sein

In eini­gen Kan­to­nen und Gemein­den gibt es ein Aus­län­der­stimm­recht. In der Regel genies­sen Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­ders aber nur ein­ge­schränk­te poli­ti­sche Rech­te, d.h. sie dürf­ten bei­spiels­wei­se nicht über alle Vor­la­gen abstim­men. Cor­sin Bisaz geht in sei­nem Bei­trag der Fra­ge nach, ob eine sol­che Ungleich­be­hand­lung von Stimm­bür­ge­rin­nen und Stimm­bür­gern gerecht­fer­tigt ist. Denn sie führt zu einer unde­mo­kra­ti­schen Auf­tei­lung der Stimm­be­rech­tig­ten in eine Grup­pe von Voll- und in eine von Min­der­be­rech­tig­ten. Dies weckt Erin­ne­run­gen an vor­mo­der­ne Zei­ten, in denen Stimm­rech­te als Pri­vi­le­gi­en kon­zi­piert waren. 


Passives Ausländerwahlrecht statt Kandidatenmangel

Könn­te das pas­si­ve Wahl­recht für Aus­län­der dem Per­so­nal­man­gel für poli­ti­sche Ämter in klei­nen Gemein­den ent­ge­gen­wir­ken? Andre­as Mül­ler und Tobi­as Schle­gel von Ave­nir Suis­se prä­sen­tie­ren, wie das pas­si­ve Aus­län­der­wahl­recht auf Gemein­de­ebe­ne genutzt wird. Deut­li­che Unter­schie­de zei­gen sich dabei zwi­schen der Deutsch­schweiz und der Roman­die, aber auch zwi­schen gros­sen und klei­nen Gemein­den. 


Demokratie in einer globalisierten Gesellschaft

Poli­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on mög­lichst aller, die von Ent­schei­dun­gen betrof­fen sind, ist kein Gna­den­akt für die­je­ni­gen, denen die Mit­spra­che gewährt wird, son­dern von direk­tem Inter­es­se für das Staats­we­sen und die Gesell­schaft“. Aus dem Eröff­nungs­re­fe­rat, das Wal­ter Leim­gru­ber, Pro­fes­sor für Kul­tur­wis­sen­schaft und Euro­päi­sche Eth­no­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Basel, an den 8. Aar­au­er Demo­kra­tieta­gen am 17. März 2016 hielt.


Wer gehört zum Volk?

Ob das Aus­län­der­stimm­recht ein­ge­führt wer­den soll oder nicht, ist nicht nur eine poli­ti­sche, son­dern auch eine ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­ge, erläu­tert die Staats­recht­le­rin Vanes­sa Rüeg­ger. Frü­her wur­de die Ansicht ver­tre­ten, die Bun­des­ver­fas­sung ent­hal­te kei­ne recht­li­chen Argu­men­te für die Ein­füh­rung des Aus­län­der­stimm­rechts. Nach einer ganz­heit­li­chen Aus­le­gung der Ver­fas­sung ist das nicht mehr zutref­fend. Ganz all­ge­mein zei­gen die poli­ti­schen und recht­li­chen Dis­kus­sio­nen über die poli­ti­schen Rech­te für Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der, dass sich die Schweiz mit­ten in der Aus­hand­lung eines neu­en Volks­be­griffs befin­det.


Eduquer à la citoyenneté à l’ère de la multiculturalité

La citoy­enne­té est un sta­tut juri­di­que lié à la natio­na­lité : est citoy­en tout membre d’un Etat qui jouit des droits civils et poli­ti­ques garan­tis par cet Etat, princi­pa­le­ment le droit de vote et le droit d’éligibilité. Mais la citoy­enne­té ren­vo­ie aus­si au princi­pe d’une par­ti­ci­pa­ti­on active de chaque indi­vi­du à la vie de la socié­té, indé­pen­dam­ment de sa natio­na­lité et de l’éventuelle plu­ra­lité de ses appar­ten­an­ces.


MEI: Ausländer hätten gleich gestimmt

Wenn Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der in der Schweiz wäh­len und abstim­men dürf­ten, wür­de sich ins­ge­samt wenig an der Resul­ta­ten ändern. Sogar zur Mas­sen­ein­wan­de­rungs­in­itia­ti­ve hät­ten sie gleich oft ja gesagt wie Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer. Die­ses Ergeb­nis steht in kla­rem Wider­spruch zur gän­gi­gen For­schung, die besagt, dass Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund poli­tisch eher lin­ke Posi­tio­nen unter­stüt­zen.


Die wichtigsten Kennzahlen zum Ausländerstimmrecht

In der Schweiz leben fast zwei Mil­lio­nen Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der, die kei­ne Bür­ger­rech­te haben. Was bedeu­tet das kon­kret für die Stimm- und Wahl­be­völ­ke­rung und wie steht die Schweiz im inter­na­tio­na­len Ver­gleich da? Dani­el Küb­ler prä­sen­tiert die wich­tigs­ten Kenn­zah­len.


Eure Demokratie ist längst nicht so toll, wie ihr glaubt“

Rund ein Vier­tel der Schwei­zer Bevöl­ke­rung besitzt kei­nen roten Pass und darf des­halb poli­tisch kaum mit­be­stim­men. Ver­trägt sich das mit den Idea­len der Demo­kra­tie, auf wel­che die Schweiz so stolz ist? Nein, lau­tet der ein­deu­ti­ge Tenor unter den Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­lern, die an den 8. Aar­au­er Demo­kra­tieta­gen teil­nah­men.


Le Contrat de Quartier – vers une démocratie (plus) participative

Lorsqu’on par­le de démo­cra­tie et d’étrangers les argu­ments se foca­li­sent sur les droits poli­ti­ques. Réfle­xe com­pré­hen­si­ble au pays de la démo­cra­tie direc­te. Mais voi­là que la gran­de majo­rité des can­tons et des com­mu­nes suis­ses n’octroient aucun droit poli­tique aux étran­gers qui y sont domic­i­liés, même depuis de longues années, liant ain­si les droits poli­ti­ques à la natio­na­lité. Là où de tels droits exis­tent, l’on con­sta­te que les étran­gers ne se ruent pas aux urnes.


Titel­bild: DeFac­to

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