Unentschlossene werden in Wahljahren am ehesten von der SVP überzeugt

Im Okto­ber fin­den die nächs­ten Natio­nal- und Stän­de­rats­wah­len statt. Der Wahl­kampf ist bereits ange­lau­fen und stark in den Medi­en prä­sent. Mit­hil­fe der Längs­schnitt­stu­die „Leben in der Schweiz“ unter­su­chen wir die Mobi­li­sie­rung von Per­so­nen ohne Par­tei­prä­fe­renz[1] und somit den Effekt der Wahl­kam­pa­gne. Die Schwei­ze­ri­sche Volks­par­tei (SVP) konn­te bei den letz­ten vier eid­ge­nös­si­schen Wah­len am meis­ten von der Kam­pa­gne pro­fi­tie­ren. Es bleibt span­nend, ob dies auch die­ses Jahr zutrifft, da die Pro­gno­sen gewich­ti­ge Ver­lus­te für die gröss­te Par­tei des Lan­des vor­aus­sa­gen.  

Alle vier Jah­re strei­ten sich Kan­di­die­ren­de und poli­ti­sche Par­tei­en um die Gunst ihrer Wäh­ler­schaft und ver­su­chen mög­lichst vie­le Bür­ge­rin­nen und Bür­ger an die Wahl­ur­nen zu brin­gen, um für die jewei­li­ge Par­tei ihre Stim­me abzu­ge­ben. Dank der star­ken Prä­senz des Wahl­kampfs in den Medi­en haben in den Wahl­jah­ren immer mehr Leu­te eine Prä­fe­renz für eine bestim­me Par­tei als in den Jah­ren ohne Wah­len. Über alle Jah­re hin­weg betrach­tet, geben im Durch­schnitt 61 Pro­zent der Befrag­ten an eine Par­tei­prä­fe­renz zu haben, in Wahl­jah­ren sind es 63 Pro­zent, in den Jah­ren zwi­schen den Wah­len 60 Pro­zent. Abbil­dung 1 zeigt, wie vie­le Per­so­nen ohne Par­tei­prä­fe­renz im nächs­ten Jahr eine ent­wi­ckeln. Die Bal­ken der Wahl­jah­re sind gelb ein­ge­färbt und zei­gen deut­lich, dass wäh­rend Wahl­jah­ren mehr Leu­te eine Par­tei­prä­fe­renz ent­wi­ckeln.

Abbildung 1: Veränderung von „keine Präferenz“ zu einer „Parteipräferenz“

Quel­le: Stu­die „Leben in der Schweiz“

 

Die Kam­pa­gnen und die Medi­en­be­richt­erstat­tung füh­ren also in der Tat zu einer Akti­vie­rung von Wahl­be­rech­tig­ten. Davon pro­fi­tiert jedoch nicht jede Par­tei im glei­chen Aus­mass. Abbil­dung 2 zeigt den Mobi­li­sie­rungs­ef­fekt des Wahl­jah­res für die gröss­ten poli­ti­schen Par­tei­en. Hier sind sowohl Wech­sel von kei­ner Prä­fe­renz sowie ein Wech­sel zwi­schen Par­tei­en berück­sich­tigt. Gemäss die­ser Ana­ly­se war die SVP immer die kla­re Mobi­li­sie­rungs-Sie­ge­rin in den letz­ten vier natio­na­len Wah­len (2003, 2007, 2011 und 2015). Für die ande­ren gros­sen Schwei­zer Par­tei­en fin­den wir kei­nen Effekt für das Wahl­jahr. Dies bedeu­tet nicht, dass die SVP all­ge­mein mehr Per­so­nen für sich gewin­nen kann als die ande­ren Par­tei­en. Nur bei der SVP sind aber star­ke Unter­schie­de zwi­schen den Wahl­jah­ren und den ande­ren Jah­ren sicht­bar.

Im Okto­ber ist es soweit: Die nächs­ten Par­la­ments­wah­len ste­hen bevor. In einer Zeit, wo die Kli­ma­de­bat­te im Zen­trum des öffent­li­chen Inter­es­ses steht, kün­di­gen die offi­zi­el­len Pro­gno­sen Gewin­ne an für Par­tei­en, die sich für den Umwelt­schutz ein­set­zen. Zugleich darf man gespannt sein, ob sich die SVP auf ihre Mobi­li­sie­rungs­stär­ke ver­las­sen kann, ohne auf den grü­nen Zug auf­zu­sprin­gen.

Abbildung 2: Veränderung „Präferenz für eine bestimmte Partei“ in den Wahljahren gegenüber den anderen Jahren

Quel­le: Stu­die „Leben in der Schweiz“

 

 

20 Jah­re «Leben in der Schweiz»

Die Stu­die „Leben in der Schweiz“ befragt seit 1999 jedes Jahr die­sel­ben Haus­hal­te und Per­so­nen zu The­men wie Fami­li­en- und Erwerbs­ar­beit, Ein­kom­men und Lebens­be­din­gun­gen, Frei­zeit, Gesund­heit, per­sön­li­che Bezie­hun­gen, Ein­stel­lun­gen und Poli­tik. Dadurch ist eine ein­zig­ar­ti­ge Daten­ba­sis ent­stan­den zur Ana­ly­se der Lebens­si­tua­ti­on der Schwei­zer Wohn­be­völ­ke­rung sowie den Ursa­chen und Fol­gen sozia­len Wan­dels in der Schweiz.

Die Stu­die „Leben in der Schweiz“ wird vom Schwei­ze­ri­schen Natio­nal­fonds zur För­de­rung der wis­sen­schaft­li­chen For­schung finan­ziert und von FORS, dem Schwei­zer Kom­pe­tenz­zen­trum Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, ange­sie­delt an der Uni­ver­si­tät Lau­sanne, durch­ge­führt. Die Daten ste­hen For­schen­den kos­ten­los zur Ver­fü­gung. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Stu­die (auch „Schwei­zer Haus­halt-Panel“ genannt) fin­den Sie auf der Web­sei­te.


[1] Die Par­tei­prä­fe­renz wird mit fol­gen­der Fra­ge gemes­sen: “Wenn es mor­gen Natio­nal­rats­wah­len gäbe, für wel­che Par­tei wür­den Sie dann stim­men?“ Per­so­nen ohne Par­tei­prä­fe­renz haben mit „stimmt für eine Per­son, nicht für eine Par­tei“, „für kei­ne Par­tei“, „wür­de nicht stim­men gehen“ oder mit „weiss nicht“ geant­wor­tet. 

Bild: rawpixel.com

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