Was zeichnet eine gute Finanzpolitik der Regierung aus?

Die finan­zi­el­le Füh­rungs­auf­ga­be der Regie­rung beinhal­tet sowohl die finanz- und wirt­schafts­po­li­ti­sche Gesamt­steue­rung eines öffent­li­chen Haus­hal­tes als auch die Lei­tung und Beauf­sich­ti­gung der ein­zel­nen Ver­wal­tungs­ein­hei­ten und Betrie­be. In die­sem Bei­trag wer­den Emp­feh­lun­gen aus der Finanz­wis­sen­schaft, aus der öko­no­mi­schen Theo­rie der Poli­tik und aus dem Public Manage­ment erst­mals gemein­sam dar­ge­stellt.

In den Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten beschäf­ti­gen sich meh­re­re Fach­ge­bie­te aus unter­schied­li­chen Blick­win­keln mit der Fra­ge, was eine gute, d.h. öko­no­misch sinn­vol­le und ver­ant­wor­tungs­vol­le Finanz­po­li­tik der Regie­rung aus­macht.

Die Finanz­wis­sen­schaft geht im Kern der Fra­ge nach, in wel­chen Situa­tio­nen staat­li­ches Han­deln öko­no­misch sinn­voll sein kann. Klas­si­sche Hand­lungs­fel­der sind die Ver­bes­se­rung der Allo­ka­ti­on knap­per Res­sour­cen, die Sta­bi­li­sie­rung der Kon­junk­tur und die Kor­rek­tur der Ein­kom­mens- und Ver­mö­gen­ver­tei­lung. Kom­ple­men­tär zur tra­di­tio­nel­len Finanz­wis­sen­schaft steht bei der polit­öko­no­mi­schen Betrach­tung die Fra­ge im Fokus, wie (finanz)politische Ent­schei­dun­gen zustan­de kom­men. Um eine mög­lichst gros­se Kon­gru­enz zwi­schen den Bür­ger­wün­schen und den poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen her­zu­stel­len, wird ein gros­ses Augen­merk auf die insti­tu­tio­nel­len Rah­men­be­din­gun­gen für Poli­tik und Ver­wal­tung gelegt. Wich­ti­ge Ele­men­te sind dabei der poli­ti­sche Wett­be­werb und mög­lichst kla­re Ver­ant­wort­lich­keits­struk­tu­ren der Ent­schei­dungs­trä­ger.

Beim New Public Manage­ment ste­hen die stra­te­gi­sche Pla­nung mit poli­ti­scher Schwer­punkt­set­zung sowie die Steue­rung der Ver­wal­tung im Vor­der­grund. Bei der finan­zi­el­len Staats­füh­rung sind die Regie­run­gen sowohl bei der jähr­li­chen Erstel­lung des Bud­gets und des Inte­grier­ten Auf­ga­ben- und Finanz­plans als auch bei den dazu erfor­der­li­chen Grund­la­gen- und Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten gefor­dert: Die Kon­sens­fin­dung in Regie­rung, Par­la­ment und bei den Stimm­bür­ge­rin­nen und Stimm­bür­gern erfor­dert sowohl Füh­rungs- als auch Kom­pro­miss­be­reit­schaft der ein­zel­nen Regie­rungs­mit­glie­der. Der Aus­wahl der Ver­wal­tungs­spit­ze und der Moti­va­ti­on der Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter/-innen kommt dabei hohe Bedeu­tung zu.

Aus den öko­no­mi­schen Ansät­zen las­sen sich fol­gen­de Emp­feh­lun­gen für eine gute Finanz­po­li­tik einer Regie­rung oder Exe­ku­ti­ve ablei­ten.

  • Insti­tu­tio­nen

Die Finanz­wis­sen­schaft und die öko­no­mi­sche Theo­rie der Poli­tik beto­nen die Wich­tig­keit des Sub­si­dia­ri­täts­prin­zips sowie der Steu­er- und Finanz­au­to­no­mie von Kan­to­nen, Städ­ten und Gemein­den. Aus öko­no­mi­scher Sicht garan­tie­ren sie einen gewis­sen Leis­tungs- und Steu­er­wett­be­werb zwi­schen den Kör­per­schaf­ten und damit eine bür­ger­nä­he­re und bedarfs­ge­rech­te­re Auf­ga­ben­er­fül­lung. Ein ein­fa­cher und trans­pa­ren­ter Finanz- und Res­sour­cen­aus­gleich ist hier als Gegen­ge­wicht zum Steu­er­wett­be­werb not­wen­dig. Die direkt­de­mo­kra­ti­sche Mit­be­stim­mung über Initia­ti­ve und Refe­ren­dum stellt eine wei­te­re wich­ti­ge Rah­men­be­din­gung für eine bür­ger­na­he Poli­tik dar.

Durch die peri­odi­sche Über­prü­fung der Auf­ga­ben- und Aus­ga­ben­ver­tei­lung im Föde­ra­lis­mus und in allen Gebiets­kör­per­schaf­ten las­sen sich die staat­li­chen Insti­tu­tio­nen schritt­wei­se wei­ter­ent­wi­ckeln. Auch eine peri­odi­sche Über­prü­fung der Auf­ga­ben und Struk­tu­ren in den ein­zel­nen Depar­te­men­ten, Ämtern und Betrie­ben ist von Zeit zu Zeit not­wen­dig. Damit las­sen sich not­wen­di­ge Anpas­sun­gen an neue Anfor­de­run­gen, Rea­li­tä­ten und Tech­no­lo­gi­en vor­neh­men sowie Dop­pel­spu­rig­kei­ten besei­ti­gen.

  • Regeln

Die öko­no­mi­sche Theo­rie der Poli­tik emp­fiehlt grund­sätz­lich eine regel­ge­bun­de­ne Fis­kal­po­li­tik mit einem mit­tel­fris­ti­gen Haus­halts­aus­gleich, wie z.B. der Schul­den­brem­se des Bun­des. Fis­kal­re­geln und ein weit­ge­hen­der Rück­griff auf ‚auto­ma­ti­sche Sta­bi­li­sa­to­ren‘ drän­gen den Ein­fluss von Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen zurück und wir­ken einer Über­nut­zung der öffent­li­chen Bud­gets und damit einer über­mäs­si­gen Ver­schul­dung zu Las­ten zukünf­ti­ger Genera­tio­nen ent­ge­gen.

Eine regel­ori­en­tier­te Finanz­po­li­tik erhöht die Pla­nungs­si­cher­heit aller Akteu­re in der Volks­wirt­schaft und Gesell­schaft; sie dient letzt­lich auch dem Anse­hen der staat­li­chen Insti­tu­tio­nen selbst.

  • Instru­men­te

Der Vor­anschlag mit inte­grier­tem Auf­ga­ben- und Finanz­plan (IAFP) ver­bin­det die poli­ti­schen Schwer­punk­te der Regie­rung mit dem All­tags­ge­schäft der Ver­wal­tung. Er zeigt die Wirt­schaft­lich­keit und Wirk­sam­keit der staat­li­chen Leis­tungs­er­brin­gung auf und lässt sich für die kon­ti­nu­ier­li­che Ver­bes­se­rung von Jahr zu Jahr nut­zen. Durch stra­te­gi­sche Grund­po­si­tio­nen, mit­tel­fris­ti­ge Pla­nun­gen und lang­fris­ti­ge Per­spek­ti­ven der gesam­ten Kör­per­schaft kann eine Regie­rung ihren finanz­po­li­ti­schen Hand­lungs­spiel­raum sys­te­ma­tisch erwei­tern.

Die Qua­li­tät der finanz- und per­so­nal­po­li­ti­schen Füh­rungs­in­stru­men­te misst sich am (poli­ti­schen) Hand­lungs­spiel­raum, den eine Exe­ku­ti­ve mit ihnen gewin­nen oder zurück­ge­win­nen kann. Die Manage­men­tin­stru­men­te sol­len nicht abschre­ckend wir­ken, son­dern die Regie­rung zum täg­li­chen Gebrauch ein­la­den.

Fazit

Haupt­ge­gen­stand der öko­no­mi­schen Ana­ly­se ist das Han­deln und Inter­agie­ren von Men­schen und Grup­pen in kom­ple­xen Insti­tu­tio­nen und Hier­ar­chi­en. Die Insti­tu­tio­nen, Regeln und Instru­men­te für eine gute Finanz­po­li­tik kön­nen öko­no­misch unter­sucht wer­den, auch wenn sich die betei­lig­ten Akteur/-innen nicht immer streng ratio­nal ver­hal­ten.

Regie­run­gen und Exe­ku­ti­ven soll­ten ihre finanz­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen des­halb stets unter best­mög­li­cher Berück­sich­ti­gung der Ein­sich­ten und Emp­feh­lun­gen der Finanz­wis­sen­schaft, der Poli­ti­schen Öko­no­mie und des Public Manage­ments tref­fen — und sich anhand die­ser Anfor­de­run­gen auch mes­sen las­sen.

 


Refe­renz:

Theo Hal­de­mann, Tho­mas Bränd­le und Mar­tin Baur (2019). Öko­no­mi­sche Ein­sich­ten und Emp­feh­lun­gen für eine gute Finanz­po­li­tik der Regie­rung. In: Black­box Exe­ku­ti­ve – Regie­rungs­leh­re in der Schweiz. Zürich: NZZ Libro, Rei­he „Poli­tik und Gesell­schaft in der Schweiz“, S. 307 — 340.

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