Nur unfreiwillige Teilzeitarbeit macht Väter unglücklich

Ein kür­zlich in den Medi­en erschienen­er Beitrag[1] stellte fest, dass Teilzeitar­beit Väter unglück­lich macht. Wirft man aber einen genaueren Blick auf den Zusam­men­hang zwis­chen Leben­szufrieden­heit und Teilzeitar­beit, zeigt sich, dass dies nicht der Wahrheit let­zter Schluss ist. Die Dat­en des Schweiz­er Haushalt-Pan­els zeigen näm­lich auch, dass teilzeitar­bei­t­ende Väter nur unglück­lich­er sind als vol­lzeitar­bei­t­ende, wenn sie die Teilzeitar­beit nicht frei­willig gewählt haben.

In der Schweiz sind Väter, die Vol­lzeit arbeit­en, ins­ge­samt tat­säch­lich zufrieden­er als diejeni­gen, die Teilzeit arbeit­en. Sobald wir aber zwis­chen frei­williger und unfrei­williger Teilzeitar­beit unter­schei­den, zeigt sich ein anderes Bild. Dies lässt sich mit ein­er deskrip­tiv­en Analyse der Dat­en des Schweiz­er Haushalt-Pan­els zeigen. Wir haben dazu die Dat­en der Jahre 2012–2016 für Väter mit Kindern unter 15 Jahren im sel­ben Haushalt genauer unter­sucht. Dabei zeigt sich, dass frei­willige Teilzeitar­beit nicht mit ein­er tief­er­en Leben­szufrieden­heit ein­herge­ht[2].

Eine feine Unter­schei­dung der wöchentlichen Arbeitsstun­den (Abbil­dung 1) zeigt, dass der Befund zur Zufrieden­heit nicht ganz so klar ist. Väter, die nur in einem gerin­gen Pen­sum arbeit­en (bis 33 Stun­den pro Woche), sind tat­säch­lich unzufrieden­er als Väter, die mehr Stun­den arbeit­en. Väter mit einem 80 oder 90 Prozent Pen­sum (34–48 Stun­den pro Woche) sind aber nicht weniger zufrieden als Väter die 100 Prozent arbeit­en. Wenn Väter, die unfrei­willig Teilzeit arbeit­en von der Unter­suchung aus­geschlossen wer­den, ver­schwinden die Unter­schiede in der Leben­szufrieden­heit zwis­chen unter­schiedlichen Teilzeit­pensen. Bemerkenswert ist auch, dass Väter, die Über­stun­den (zwis­chen 54 und 59 Arbeitsstun­den pro Woche) machen, die höch­ste durch­schnit­tliche Zufrieden­heit aufweisen. Über die Gründe, warum eine hohe Arbeits­be­las­tung die Leben­szufrieden­heit von Vätern erhöht, kann hier nichts aus­ge­sagt wer­den.

Grafik 1: Lebenszufriedenheit von Vätern nach Anzahl wöchentlicher Arbeitsstunden und freiwilliger resp. unfreiwilliger Teilzeitarbeit (Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 0–10)

Anmerkung zur Grafik: Das Kon­fi­den­z­in­ter­vall (schwarze Striche mit Kreisen an den Enden) umreisst jenen Bere­ich, in welchem das Resul­tat mit ein­er Wahrschein­lichkeit von 95% liegen würde, wenn die Befra­gung beliebig oft wieder­holt würde. Das Kon­fi­den­z­in­ter­vall ermöglicht dem Leser, der Leserin somit die Zuver­läs­sigkeit der Resul­tate einzuschätzen. Daten­quelle: Schweiz­er Haushalt-Pan­el 2012–2016.

Ein­schränk­end ist anzumerken, dass die Anzahl der teilzeitar­bei­t­en­den Män­ner in der Schweiz rel­a­tiv ger­ing ist. Dies erschw­ert sta­tis­tis­che Analy­sen auf der Basis von Befra­gungs­dat­en, weil die Fal­lzahlen rel­a­tiv klein sind. Zudem sind die Unter­schiede in der Leben­szufrieden­heit sehr ger­ing. So vari­ieren die in Grafik 1 aus­gewiese­nen Unter­schiede in der durch­schnit­tlichen Leben­szufrieden­heit der Väter zwis­chen 7.9 und 8.3 auf ein­er Skala von 0–10.

Aus dieser deskrip­tiv­en Analyse lässt sich also kein Nachteil von Teilzeitar­beit für Väter in der Schweiz ableit­en, solange diese frei­willig Teilzeit arbeit­en. Dass die Vere­in­barkeit von Fam­i­lie und Beruf Eltern vor vielfältige Her­aus­forderun­gen stellt, ist aber unbe­strit­ten und dass in der Schweiz bis anhin nur wenige Väter Teilzeit arbeit­en ist kein Zufall. So zeigt ein kür­zlich in der Rei­he Social Change in Switzer­land erschienen­er Beitrag, dass viele Paare vor der Geburt des ersten Kindes dur­chaus die Absicht haben, die Fam­i­lien­ar­beit zu gle­ichen Teilen zu tra­gen, dies in der Real­ität dann aber nicht umset­zen kön­nen. Ver­ant­wortlich dafür sind struk­turelle Gründe wie ein man­gel­ndes Krip­penange­bot und der fehlende Vater­schaf­turlaub, was

 im End­ef­fekt dazu führt, dass vor allem Frauen ihr Arbeit­spen­sum erhe­blich reduzieren, während Män­ner vol­lzeitlich erwerb­stätig bleiben (siehe Kurz­fas­sung des Beitrags auf Defac­to).

Das Schweiz­er Haushalt-Pan­el
Das Schweiz­er Haushalt-Pan­el ist eine Längss­chnittstudie, die zum Ziel hat, den sozialen Wan­del und Verän­derun­gen der Lebens­be­din­gun­gen in der Schweiz zu beobacht­en. Rund 12‘000 Per­so­n­en wer­den seit 1999 jährlich zu ein­er Vielzahl an The­men befragt: Fam­i­lien- und Erwerb­sar­beit, Einkom­men und Lebens­be­din­gun­gen, Freizeit, Gesund­heit, per­sön­liche Beziehun­gen, Ein­stel­lun­gen, Poli­tik, etc.

 

Das Schweiz­er Haushalt-Pan­el wird vom Schweiz­erischen Nation­al­fonds zur Förderung der wis­senschaftlichen Forschung finanziert und von FORS, dem Schweiz­er Kom­pe­tenzzen­trum Sozial­wis­senschaften, an der Uni­ver­sität Lau­sanne durchge­führt.


[1]Inter­view im Bund und Tage­sanzeiger mit dem deutschen Sozi­olo­gen Mar­tin Schröder vom 4. Juli 2018.

[2] Ver­gle­iche Beitrag im Infos­per­ber vom 11. Juli 2018.

Bild: Unsplash.com

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