easyvote informiert verständlicher als der Bundesrat

Das rote Bun­des­büch­lein, in welchem der Bun­desrat vor Abstim­mungen die Vor­lage erk­lärt, wird von der Mehrheit der Stimm­bevölkerung weniger gut ver­standen als die Infor­ma­tio­nen, die easyvote zur Ver­fü­gung stellt. Am besten kom­men aber erk­lärende Videos an. Dies zeigt eine Studie der Uni­ver­sität Bern, welche die Abstim­mungsin­for­ma­tio­nen ver­gle­icht.

Ver­sion française

Die poli­tis­che Par­tizipa­tion der Bevölkerung ist auss­chlaggebend für eine funk­tion­ierende Demokratie (Mil­ic et al. 2014: 379). Weil in der Schweiz in der Regel aber nicht ein­mal die Hälfte der Stimm­berechti­gen an Wahlen und Abstim­mungen teil­nimmt, wird die demokratis­che Legit­i­ma­tion der Entschei­dun­gen oft kri­tisch disku­tiert (Mil­ic et al. 2014: 380, Rothen­büh­ler et al. 2012: 4). Die Fähigkeit, sich eine Mei­n­ung bilden zu kön­nen, ist aber eine Voraus­set­zung, um an einem Urnen­gang teilzunehmen. Mit­tler­weile weiss man: wem es schw­er­fällt, sich etwa bei ein­er Abstim­mungsvor­lage für ein Ja oder Nein zu entschei­den, wird mit hoher Wahrschein­lichkeit nicht an der Abstim­mung teil­nehmen.

Doch wie kann sich die Stimm­bevölkerung über eine Sachvor­lage informieren? In den 1970er Jahren entsch­ied das Stim­mvolk, dass der Bun­desrat jew­eils vor jed­er Abstim­mung eine „kurze, sach­liche“ Abstim­mungser­läuterung pub­liziert. Seit 1977 ist somit das soge­nan­nte „Bun­des­büch­lein”[1] Stan­dard. Der Bun­desrat erfüllt darüber seine Infor­ma­tion­spflicht.[2] Allerd­ings wird das Bun­des­büch­lein immer wieder kri­tisiert. Während manche den Inhalt anzweifeln und ins­beson­dere die Frage stellen, ob das Bun­des­büch­lein neu­tral informiert, argu­men­tieren andere, dass diese bun­desrätlichen Infor­ma­tio­nen viel zu kom­plex und für viele Stimm­bürg­erin­nen und Stimm­bürg­er nicht ver­ständlich seien. An diesem Punkt set­zt easyvote an. Easyvote ist ein Pro­gramm des Dachver­bands Schweiz­er Jugend­par­la­ment (DSJ), welch­es sich zum Ziel geset­zt hat, mit ein­fach ver­ständlich­er und neu­traler Infor­ma­tion v.a. junge Stimm­bürg­erin­nen und Stimm­bürg­er anzus­prechen und zur poli­tis­chen Beteili­gung zu motivieren.

Method­is­ches Vorge­hen
Bish­er wurde nie sys­tem­a­tisch unter­sucht, wie die unter­schiedlichen Abstim­mungs-Infor­ma­tio­nen bei der Bevölkerung ankom­men und ob easyvote tat­säch­lich als ein­fach­er und ver­ständlich­er wahrgenom­men wird als die Infor­ma­tio­nen des Bun­desrats, welche von der Bun­deskan­zlei vor­bere­it­et und her­aus­gegeben wer­den. Wir sind diesen Fra­gen im Rah­men ein­er Bevölkerung­sum­frage und basierend auf Umfrage­ex­per­i­menten nachge­gan­gen. Konkret haben wir den Befragten zufäl­lig entwed­er Infor­ma­tio­nen des Bun­desrats oder von easyvote zugewiesen. Sowohl easyvote wie der Bun­desrat pro­duzieren sowohl eine Broschüre wie auch einen Video-Clip. Die Befragten wur­den anschliessend gebeten, die erhal­te­nen Abstim­mungsin­for­ma­tio­nen nach ver­schiede­nen Kri­te­rien zu bew­erten. In diesem Artikel soll dargestellt wer­den, wie sich die Ergeb­nisse in Bezug auf die Kom­plex­ität, die Nüt­zlichkeit der Infor­ma­tio­nen und die Glaub­würdigkeit unter­schei­den und welche Imp­lika­tio­nen sich daraus ableit­en lassen.

Mit unserem Vorge­hen kön­nen wir natür­lich nicht testen, wie und ob die ver­schiede­nen Infor­ma­tio­nen in der Real­ität die Informiertheit der Bürg­erin­nen und Bürg­er sowie  deren Par­tizipa­tion bee­in­flussen. Aber unsere Ergeb­nisse geben über eine grundle­gende Voraus­set­zung für eine solche Wirkung Auskun­ft, näm­lich wie die Bevölkerung auf diese Infor­ma­tio­nen über­haupt reagiert. Nur wenn die Infor­ma­tio­nen von Bun­desrat und easyvote als ver­ständlich, hil­fre­ich und aus­ge­wogen emp­fun­den wer­den, kön­nen wir erwarten, dass die Leute vor Abstim­mungen diese Infor­ma­tio­nen auch tat­säch­lich nutzen.

Gütekriterien von Abstimmungsinformationen

Um das Bun­des­büch­lein und easyvote zu ver­gle­ichen, betra­cht­en wir drei Gütekri­te­rien:

  • Die Präsen­ta­tion der Infor­ma­tio­nen: Sind die Infor­ma­tio­nen ansprechend und ver­ständlich? Dies dürfte eine Voraus­set­zung sein, damit das Infor­ma­tion­s­ma­te­r­i­al von den Bürg­erin­nen und Bürg­ern genutzt wird und ihnen hil­ft, eine kom­pe­tente Entschei­dung zu tre­f­fen.
  • Der Nutzen der bere­it­gestell­ten Infor­ma­tio­nen: Wer­den hil­fre­iche und rel­e­vante Infor­ma­tio­nen ver­mit­telt? Diesem Kri­teri­um liegt der Gedanke zugrunde, dass Abstim­mungsin­for­ma­tio­nen für die per­sön­liche Entschei­dfind­ung rel­e­vant und hil­fre­ich sein sollen.
  • Die Aus­ge­wogen­heit der Infor­ma­tio­nen: Wird fair über bei­de Seit­en informiert? Ger­ade bei den Abstim­mungsin­for­ma­tio­nen des Bun­desrats, welche von vie­len als Infor­ma­tion­squelle genutzt wird, ist der Anspruch an ein aus­ge­wo­genes, voll­ständi­ges und kor­rek­tes Informieren beson­ders hoch, damit die Glaub­würdigkeit der Infor­ma­tion­squellen gewahrt bleibt und die Legit­im­ität des demokratis­chen Entschei­ds gewährleis­tet wer­den kann. Aber auch easyvote stellt sich diese Ansprüche.
Die Präsentation der Informationen: Video-Clips sind einfacher und ansprechender als Broschüren

Hin­sichtlich der Präsen­ta­tion der Infor­ma­tio­nen betra­cht­en wir zwei Indika­toren: Ein­er­seits als wie kom­pliziert eine Infor­ma­tion wahrgenom­men wird und ander­er­seits, wie ansprechend sie den Befragten erscheint (Abbil­dung 1).

Auf­fal­l­end ist, dass das Bun­des­büch­lein von ein­er rel­a­tiv­en Mehrheit der Befragten als (eher) kom­pliziert eingeschätzt wird, während die anderen drei Abstim­mungsin­for­ma­tio­nen als mehrheitlich (eher) nicht kom­pliziert befun­den wer­den. Am wenig­sten kom­pliziert sind dabei die bei­den Video-Clips, wobei der Clip von easyvote als noch weniger kom­pliziert eingestuft wird als der Clip des Bun­desrats. Der Bun­desrat informiert somit kom­pliziert­er als easyvote, die Videos sind aber grund­sät­zlich weniger kom­pliziert als die Broschüren.

Auch bei der optis­chen Ein­schätzung der Abstim­mungsin­for­ma­tio­nen zeigt sich ein ähn­lich­es Bild. Die Video-Clips von easyvote und Bun­desrat wer­den als am ansprechend­sten bew­ertet (wobei sich kein sta­tis­tis­ch­er Unter­schied zwis­chen den Clips der bei­den Anbi­eter fest­stellen lässt). Die Broschüren wer­den demge­genüber als sig­nifikant weniger ansprechend eingeschätzt. Am wenig­sten ansprechend wird das Bun­des­büch­lein bew­ertet, während die easyvote Broschüre bess­er abschnei­det.

Abbildung 1: Die Präsentation der Abstimmungsinformationen im Vergleich

Bemerkungen: Obere Grafik: Alle Unterschiede zwischen den Treatments sind gemäss dem Wilcoxon-Test auf dem 95% Niveau signifikant.
Untere Grafik: Alle Unterschiede zwischen den Treatments sind gemäss dem Wilcoxon-Test auf dem 95% Niveau signifikant, ausgenommen vom Unterschied zwischen den beiden Video-Clips.

Easyvote erfüllt somit sein Ziel, ein­fache und ansprechende Infor­ma­tio­nen zu ver­mit­teln. Der Unter­schied ist v.a. bezüglich der Broschüren aus­geprägt, während der Bun­desrat mit dem Video-Clip über ein Instru­ment ver­fügt, welch­es in Bezug auf Ein­fach­heit und Optik mit den Infor­ma­tio­nen von easyvote mithal­ten kann. Inter­es­sant ist, dass sich der aufgezeigte easyvote-„Vorteil“ nicht nur auf die Ziel­gruppe von easyvote, d.h. die jün­geren Stimm­berechtigten beschränkt. In der Tat find­en sich die unter­schiedlichen Wahrnehmungen hin­sichtlich der Attrak­tiv­ität und der Kom­pliziertheit der Infor­ma­tio­nen auch bei älteren Befragten. Zwar kommt die Broschüre von easyvote bei der älteren Alter­sko­horte etwas schlechter an als bei den jün­geren Befragten, jedoch noch immer sig­nifikant bess­er als die Broschüren vom Bun­desrat.

Der Nutzen der Informationen: Alle Abstimmungsinformationen sind grundsätzlich hilfreich

Ansprechende und ein­fache Infor­ma­tio­nen sind das zen­trale Ziel von easyvote. Die wesentliche Frage, die sich stellt, ist, ob diese Ein­fach­heit und das ansprechende Design zu Las­ten des Infor­ma­tion­s­ge­halts gehen. Unsere Dat­en liefern dazu eine erste wichtige Antwort (siehe Abbil­dung 2): Alle vier Abstim­mungsin­for­ma­tio­nen wer­den von ein­er deut­lichen Mehrheit der Befragten als (eher) hil­fre­ich erachtet. Dabei gibt es keine sig­nifikan­ten Unter­schiede zwis­chen den Anbi­etern, sprich zwis­chen easyvote und dem Bun­desrat. Jedoch wer­den die bei­den Infor­ma­tion­stypen unter­schiedlich hil­fre­ich eingeschätzt: Die Video-Clips wer­den als sig­nifikant hil­fre­ich­er bew­ertet als die Broschüren.

Abbildung 2: Der Nutzen der Abstimmungsinformationen im Vergleich

Bemerkung: Alle Unterschiede zwischen den Treatments sind gemäss dem Wilcoxon-Test auf dem 95% Niveau signifikant, ausgenommen von den Unterschieden zwischen den jeweils gleichen Informationstypen.
Die Ausgewogenheit: Easyvote informiert glaubwürdiger und ausgewogener als der Bundesrat

Der Bun­desrat wird, wie bere­its erwäh­nt, immer wieder dafür kri­tisiert, im Bun­des­büch­lein ein­seit­ig zu informieren. Doch wie ste­ht es dies­bezüglich bei easyvote? Ein­er­seits ist die „Neu­tral­ität“ der Infor­ma­tio­nen ein zen­trales Ziel von easyvote, ander­er­seits kön­nte aber eine externe Organ­i­sa­tion wie der DSJ von der Bevölkerung als poli­tisch motiviert und gewis­sen Inter­essen verpflichtet wahrgenom­men wer­den.

Unsere Befunde doku­men­tieren Unter­schiede sowohl zwis­chen den bei­den Anbi­etern von Infor­ma­tio­nen wie auch zwis­chen den Infor­ma­tion­stypen (Abbil­dung 3). Zunächst wird das Bun­des­büch­lein des Bun­desrats als sig­nifikant weniger glaub­würdig eingeschätzt als die easyvote-Infor­ma­tio­nen. Inter­es­san­ter­weise wird der Video-Clip des Bun­desrats demge­genüber als deut­lich glaub­würdi­ger betra­chtet – nicht schlechter als der Clip von easyvote.

 

Abbildung 3: Die Ausgewogenheit der Abstimmungsinformationen im Vergleich

Bemerkungen: Obere Grafik: Alle Unterschiede zwischen den Treatments sind gemäss dem Wilcoxon-Test auf dem 95% Niveau signifikant, ausgenommen vom Unterschied zwischen den beiden Video-Clips.
Untere Grafik: Die Unterschiede zwischen den zwei Informationsanbietern sind gemäss dem Wilcoxon-Test auf dem 95% Niveau signifikant, nicht jedoch die Differenz zwischen Video-Clip und Broschüre des gleichen Anbieters.

Auch bei der Frage, inwiefern die bei­den Anbi­eter fair über die Pro- und Kon­tra-Seite informieren, schnei­den die easyvote-Infor­ma­tio­nen sig­nifikant bess­er ab als die Infor­ma­tio­nen des Bun­desrats. Der Unter­schied zwis­chen den Infor­ma­tion­stypen erweist sich hier jedoch als weniger rel­e­vant: Sowohl die Broschüre als auch der Video-Clip von easyvote wer­den als fair­er eingeschätzt als die bei­den Infor­ma­tion­stypen des Bun­desrats.

Dass easyvote-Infor­ma­tio­nen als glaub­würdi­ger und fair­er über bei­de Seit­en wahrgenom­men wer­den als jene des Bun­desrats, mag damit zusam­men­hän­gen, dass ger­ade das Bun­des­büch­lein in let­zter Zeit immer wieder in der Kri­tik stand, zu stark die Regierungspo­si­tion zu vertreten. Easyvote kann hier offen­sichtlich als unab­hängige Organ­i­sa­tion auftrumpfen. Gle­ichzeit­ig – und das mag über­raschen – vari­iert die wahrgenommene Glaub­würdigkeit nach Infor­ma­tion­sart, sprich die Video-Clips wer­den als glaub­würdi­ger bew­ertet als die Text-Infor­ma­tio­nen. Erneut kann der Bun­desrat mit ihrem Video-Mate­r­i­al dur­chaus mit easyvote mithal­ten. Let­zteres Ergeb­nis lässt sich dahin gehend inter­pretieren, dass das Glaub­würdigkeit­sprob­lem des Bun­desrats in erster Lin­ie ein Glaub­würdigkeit­sprob­lem des Bun­des­büch­leins darstellt. Alles was davon abwe­icht und somit auch Bestre­bun­gen des Bun­desrats, neue Infor­ma­tion­skanäle zu ver­wen­den, wer­den in der Bevölkerung hinge­gen dur­chaus anerkan­nt und pos­i­tiv bew­ertet.

 

Fazit

Das Ziel von easy­ote, ein­fache und ansprechende Infor­ma­tio­nen anzu­bi­eten, funk­tion­iert. Dabei sprechen diese Gegeben­heit­en längst nicht nur junge Men­schen an, auf welche easyvote seine Infor­ma­tio­nen zugeschnit­ten hat. Vielmehr scheint das Konzept auch bei älteren Wäh­lerin­nen und Wäh­lern auf Gegen­liebe zu stossen. Vor diesem Hin­ter­grund sind aktuelle Pläne von Bun­desrat und Bun­deskan­zlei zu begrüssen, das Bun­des­büch­lein attrak­tiv­er zu gestal­ten. Gle­ichzeit­ig kön­nte es für easyvote eine über­legenswerte Strate­gie sein, ihre Infor­ma­tio­nen auch unter älteren Bürg­erin­nen und Bürg­er stärk­er zu streuen.

Zudem weisen die Resul­tate auf ein gewiss­es Glaub­würdigkeit­sprob­lem des Bun­desrats hin – und v.a. des Bun­des­büch­leins. Während die Schweiz als Parade­beispiel für Regierungsver­trauen gilt und der Bun­desrat in Umfra­gen zu den ver­trauenswürdig­sten Insti­tu­tio­nen gehört (Szvirc­sev Tresch et al. 2017: 84), ste­hen die Befunde in Ein­klang mit jün­geren Entwick­lung in Rich­tung stärk­er­er Polar­isierung und «Anti-Establishment»-Rhetorik (Armin­geon und Engler 2015). Das Bun­des­büch­lein ist ein Parade­beispiel für «das, was die in Bern sagen» und stösst damit bei einem nicht unwesentlichen Anteil der Befragten auf Skep­sis. Diese Glaub­würdigkeit (wieder) herzustellen, dürfte nicht nur wichtig sein, um anste­hende Reform­pro­jek­te erfol­gre­ich über die Bühne zu brin­gen, son­dern kön­nte auch – vor dem Hin­ter­grund unser­er Resul­tate – die Infor­ma­tionsver­mit­tlung und -ver­ar­beitung in Abstim­mungskam­pag­nen bee­in­flussen.

Ganz generell erweisen sich die Video-Clips von Bun­deskan­zlei und easyvote als Erfol­gsmod­ell. Sowohl das Video von easyvote als auch das Video der Bun­deskan­zlei schnei­den in der Ten­denz bess­er ab als die Broschüren. Eine Erk­lärung dafür kön­nte sein, dass Bilder und Videos vom men­schlichen Gehirn in kürz­er­er Zeit und mit gerin­gerem Aufwand ver­ar­beit­et wer­den als Texte (Esch und Michel 2009: 715 f.). Hinzu kommt, dass Videos ins dig­i­tale Zeital­ter passen, in welchem ger­ade kurze Infor­ma­tio­nen in Bild und/oder Ton beson­ders pop­ulär sind. Durch die vor­liegende Unter­suchung wird das Poten­tial der Abstim­mungsin­for­ma­tion durch Videos klar. Für bei­de Anbi­eter dürfte sich deshalb die Fort­führung der filmis­chen Strate­gie sowie ein Fokus auf die weit­ere Ver­bre­itung der von ihnen pro­duzierten Video-Clips lohnen. Die unter­schiedliche Bew­er­tung von Video-Clip des Bun­desrates und Bun­des­büch­lein deuten auch daraufhin, dass das Schaf­fen von höherem Ver­trauen in bun­desrätliche Infor­ma­tio­nen kein aus­sicht­slos­es Unternehmen ist, son­dern Bestre­bun­gen des Bun­des, zeit­gemässe Kanäle und Infor­ma­tions­for­men zu nutzen, dur­chaus geschätzt und pos­i­tiv bew­ertet wer­den.

Infor­ma­tio­nen, die beim Pub­likum gut ankom­men, sind zwar eine wichtige Grund­vo­raus­set­zung dafür, damit diese die Informiertheit der Stimm­bevölkerung pos­i­tiv bee­in­flussen. Allerd­ings ist damit jedoch noch nicht gewährleis­tet, dass sich Wäh­lerin­nen und Wäh­ler in realen Abstim­mungskam­pag­nen und ausser­halb eines Umfragekon­texts tat­säch­lich mit diesen Infor­ma­tio­nen beschäfti­gen. Die Stimm­bürg­er­schaft dafür zu motivieren, ist deshalb die grosse Her­aus­forderung, welche sich unab­hängig von Infor­ma­tion­san­bi­eter und Infor­ma­tion­styp stellt.

 

Dat­en
Im Vor­feld der Ref­er­en­dumsab­stim­mung vom 21. Mai 2017 über das neue Energiege­setz wurde eine Bevölkerungs­be­fra­gung mit drei Wellen durchge­führt. Dabei wur­den diesel­ben Bürg­er und Bürg­erin­nen vor dem Start der Abstim­mungskam­pagne, einen Monat vor der Abstim­mung (Mitte April) und in der Woche vor der Abstim­mung (Mitte März) zu ver­schiede­nen für die Abstim­mung rel­e­van­ten The­men befragt. Die online Umfrage wurde in Deutsch, Franzö­sisch und Ital­ienisch ange­boten. Quoten bezüglich Alter, Geschlecht und Wohn­re­gion sicherten eine möglichst repräsen­ta­tive Zusam­menset­zung des Sam­ples bezo­gen auf diese drei Kri­te­rien. Die Fal­lzahl der ersten Welle betrug 2’800 Befragte, die Zahl sank bei der zweit­en auf 1‘800 und drit­ten Welle auf rund 1’000 Befragte. Das hier präsen­tierte Infor­ma­tions-Exper­i­ment war Teil der zweit­en Welle. Dabei wur­den den Teil­nehmenden unter­schiedlichen Treat­ments in Form von Abstim­mung­sun­ter­la­gen über die bevorste­hende Abstim­mung gezeigt. Die Umfrage wurde vom SNF im Rah­men des NFP 71 finanziert.

In weit­eren, hier nicht weit­er besproch­enen Analy­sen wurde getestet, ob sich das Antwortver­hal­ten oder die Ein­schätzung der unter­schiedlichen Infor­ma­tio­nen zwis­chen den Sprach­grup­pen unter­schei­det. Dabei kon­nten nur ger­ingfügige Dif­feren­zen fest­gestellt wer­den. Ins­ge­samt zeigt sich eine leichte Ten­denz der Deutschschweiz­erin­nen und Deutschschweiz­er, die neueren For­men der Abstim­mungsin­for­ma­tio­nen wie die Clips sowie von easyvote etwas pos­i­tiv­er einzuschätzen als die die Befragten der Lateinis­chen Schweiz.

 


Ref­eren­zen:

  • Armin­geon, Klaus und Engler, Sarah (2015). Polar­isierung als Strate­gie. Die Polar­isierung des Schweiz­er Parteien­sys­tems im inter­na­tionalen Ver­gle­ich. In: Fre­itag, Markus und Vat­ter, Adri­an (eds.) Wahlen und Wäh­ler­schaft in der Schweiz. Poli­tik und Gesellschaft in der Schweiz: (3): 355–379. Zürich: Ver­lag Neue Zürcher Zeitung
  • Esch, Franz-Rudolf und Michel Manuela (2009): Visuelle Reize in der Kom­mu­nika­tion. In: Bruhn Man­fred; Esch Franz-Rudolf und Langn­er Tobias (eds) Hand­buch Kom­mu­nika­tion. Gabler.
  • Johann, David (2009): Eine Betra­ch­tung der Wahlbeteili­gung bei der Bun­destagswahl 2005 auf Basis von Ratio­nal-Choice-Konzepten. In: Küh­nel, Stef­fen, Nie­der­may­er, Oskar und Wes­t­le, Bet­ti­na (eds) Wäh­ler in Deutsch­land. Wiesen­baden: VS Ver­lag für Sozial­wis­senschaften.
  • Lev­en­dusky, Matthew (2011): Rethink­ing the Role of Polit­i­cal Infor­ma­tion. Pub­lic Opin­ion Quar­ter­ly. 75 (1): 42–64.
  • Mil­ic, Thomas; Rous­selot, Bian­ca und Vat­ter, Adri­an (2014): Hand­buch der Abstim­mungs­forschung. Zürich: Ver­lag Neue Zürcher Zeitung.
  • Nordin, Matthias (2011): Do Vot­ers Vote in Line with their Pol­i­cy Pref­er­ences? – The Role of Infor­ma­tion. CESi­fo Eco­nom­ic Stud­ies. 60 (4): 681–721.
  • Rothen­büh­ler, Mar­ti­na; Ehrler, Franziska und Kissau, Kathrin (2012): CH@YOUPART – Poli­tis­che Par­tizipa­tion junger Erwach­sen­er in der Schweiz. Lau­sanne: Schweiz­er Kom­pe­tenzzen­trum Sozial­wis­senschaften, FORS.
  • Szvirc­sev Tresch, Tibor et al. (2017): Sicher­heit 2017- Aussen-, Sicher­heits-, und Vertei­di­gungspoli­tis­che Mei­n­ungs­bil­dung im Trend. Zürich: ETH Zürich.

 

[1] Art. 11 Bun­des­ge­setz über die poli­tis­chen Rechte vom 17. Dezem­ber 1976

[2] Das Engage­ment von Bun­desrat und Bun­desver­wal­tung im Vor­feld von eid­genös­sis­chen Abstim­mungen Bericht der Arbeits­gruppe erweit­erte Kon­ferenz der Infor­ma­tions­di­en­ste (AG KID)

 

Foto: easyvote

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