Erfolg der Altersvorsorge 2020 an der Urne nicht garantiert

In zehn Tagen find­et die Abstim­mung zur Reform der Altersvor­sorge 2020 statt. Inhaltlich kommt die Reform in der Bevölkerung gut an, trotz­dem ist ein Erfolg der Vor­lage an der Urne alles andere als garantiert. Im Fol­gen­den zeigen wir eine Kurzüber­sicht über die aktuell­sten Ergeb­nisse unser­er Umfrage.

Den voll­ständi­gen Bericht zur Umfrage find­en Sie hier.

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  • Die Senkung des Umwand­lungssatzes stellt nach wie vor eine Hürde für die Reform dar. Die Zus­tim­mung zu ein­er Reform, die eine Senkung des Umwand­lungssatzes bein­hal­tet, liegt in der Stimm­bevölkerung rund 5 Prozent­punk­te tiefer als die Zus­tim­mung zu ein­er Reform ohne Senkung des Umwand­lungssatzes. Bei kein­er der unter­sucht­en Grup­pen kann eine Senkung des Umwand­lungssatzes Unter­stützung für die Reform gener­ieren. Dies gilt für bei­de Geschlechter, für alle Sprachre­gio­nen und sowohl für die linke als auch die bürg­er­liche Parteian­hänger­schaft.
  • Die Erhöhung des Rentenal­ters auf 65 Jahre für Frauen wirkt sich ins­ge­samt pos­i­tiv auf die Unter­stützung für die Reform aus. Mit Blick auf die gesamte Stimm­bürg­er­schaft erhöhen sich die Chan­cen der Reform damit um etwa 6 Prozent­punk­te. Betra­chtet man einzelne Grup­pen genauer, wird klar, dass dieser Effekt vor allem von der Deutschschweiz, Män­nern und älteren Per­so­n­en bewirkt wird, bei welchen die Rentenal­ter­erhöhung für die Frauen beson­ders viel Zus­tim­mung gener­iert. Aber auch bei kein­er anderen unter­sucht­en Gruppe (inkl. Linke und Frauen in der Westschweiz) wirkt sich dieses Reformele­ment sig­nifikant neg­a­tiv auf die Unter­stützung der Reform aus.
  • Die Stärkung der Renten aus den Pen­sion­skassen ins­beson­dere für Teilzeitar­bei­t­ende gener­iert in den meis­ten unter­sucht­en Grup­pen Unter­stützung für die Reform. Dies in ähn­lichem Umfang bei Frauen wie bei Män­nern, im deutschsprachi­gen sowie im franzö­sis­chsprachi­gen Teil der Schweiz, bei Jun­gen und Pen­sion­ierten sowie ins­beson­dere bei der FDP-Wäh­ler­schaft.
  • Die als Kom­pen­sa­tion für die Senkung des Umwand­lungssatzes in die Reform einge­führte Erhöhung der AHV-Renten (und AHV-Beiträge) um 70 CHF/Monat (bzw. um 0.3 Lohn­prozente) erfüllt ihren Zweck bei zwei der unter­sucht­en Grup­pen: Inner­halb der Linken sowie bei den 45- bis 64-Jähri­gen gener­iert diese Mass­nahme sig­nifikant höhere Zus­tim­mung zur Reform. In den Wäh­ler­schaften der SP und der Grü­nen sog­ar beson­ders stark (ca. 10, resp. ca. 22 Prozent­punk­te). Bei den 45 bis 64-Jähri­gen erhöht das Reformele­ment die Unter­stützungswahrschein­lichkeit um etwa fünf Prozent­punk­te. Wiederum inter­es­sant ist (in Anbe­tra­cht der starken Polar­isierung um dieses Reformele­ment), dass bei kein­er der anderen analysierten Grup­pen sich die Erhöhung der AHV-Renten und Beiträge sig­nifikant neg­a­tiv auf die Refor­munter­stützung auswirkt.
  • Die inhaltliche Mehrheits­fähigkeit der Reform ist gegeben. Kon­fron­tiert mit ein­er Annäherung an die Reform „Altersvor­sorge 2020“ wür­den 58.5 Prozent der Befragten Per­so­n­en dem Reform­paket eher oder sich­er zus­tim­men. 24.8 Prozent der Befragten wür­den das Reform­paket eher oder sich­er ablehnen. 16.7 Prozent wür­den das Paket wed­er annehmen noch ablehnen. Eine höhere Zus­tim­mung ist bei den Anhänger­schaften der linken Parteien und bei den über 64-Jähri­gen auszu­machen. Die Ablehnung ist höher bei den recht­en Parteien (obwohl auch dort die Zus­tim­mung die Ablehnung über­wiegt), während sich bei der CVP und den unter 45-Jähri­gen beson­ders viele Unentschlossene find­en.
  • Gefragt nach ihrer Stim­mab­sicht bei der „Altersvor­sorge 2020“ äusserten 38.6 Prozent der Befragten, dass sie der Reform zus­tim­men wer­den. 27.3 Prozent der Befragten gaben an die Reform abzulehnen, während 34.1 Prozent unentschlossen waren. Dieser hohe Anteil unentschlossen­er Respon­dentin­nen und Respon­den­ten lässt sich mit zwei Befra­gungse­le­menten erk­lären: ein­er­seits haben wir keine Zwis­chenkat­e­gorien („eher“) ange­boten und ander­seits haben sich Befragten vorgängig inten­siv mit den einzel­nen Ele­menten der Reform auseinan­derge­set­zt. Auf­fäl­lig viele Unentschlossene (ca. 45%) find­en sich bei den unter 45-Jähri­gen. Bei den Teil­nehmenden, die eine Entschei­dung gefasst haben, beobacht­en wir über­durch­schnit­tlich hohe Zus­tim­mung zur Reform bei den über 64-Jähri­gen sowie bei der Wäh­ler­schaft der SP als auch der CVP. Die Nein-Anteile sind etwas höher bei den 45 bis 64-Jähri­gen, sowie bei der FDP-Wäh­ler­schaft, beson­ders deut­lich ist die Ablehnung bei den Wäh­lerin­nen und Wäh­lern der SVP.
„Infobox“
Die obi­gen Aus­führun­gen zeigen die wichtig­sten Zwis­chen­re­sul­tate ein­er Pan­el-Befra­gung stimm­berechtigter Bürg­erin­nen und Bürg­er in der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin.
Die Resul­tate beruhen auf den Antworten von 1078 Teil­nehmerin­nen und Teil­nehmern. Diese wur­den gebeten, unter­schiedliche Reform­pakete zu bew­erten und jew­eils paar­weise zu ver­gle­ichen
(eine soge­nan­nte „con­joint-Befra­gung“). Die hier präsen­tierten Ergeb­nisse sind Zwis­chen­re­sul­tate.
Die Befra­gung der Teil­nehmenden startete am 07. August 2017 und läuft noch bis zum 23. Sep­tem­ber 2017. Die Ergeb­nisse sind daher mit Vor­sicht zu inter­pretieren.

Den voll­ständi­gen Bericht gibt es hier.

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