Junge Männer haben höhere Berufswünsche als junge Frauen

In der 23. Aus­ga­be der Zeit­schrift Social Chan­ge in Switz­er­land unter­su­chen Ire­ne Krie­si und Aria­ne Bas­ler (Eidg. Hoch­schul­in­sti­tut für Berufs­bil­dung) die Ent­wick­lung der Berufs­wün­sche der Jugend­li­chen in der Schweiz. Sie zei­gen, dass sich jun­ge Män­ner sta­tus­hö­he­re Beru­fe wün­schen als jun­ge Frau­en. Zudem pas­sen Jugend­li­che ihre Berufs­wün­sche bereits mit 15 Jah­ren den Mög­lich­kei­ten an, die ihnen auf­grund ihrer Schul­lauf­bahn als rea­lis­tisch erschei­nen. Meh­re­re Fak­to­ren beein­flus­sen die Berufs­wün­sche, dar­un­ter der Aus­bil­dungs­typ sowie das elter­li­che Bil­dungs­ni­veau.

Social Change in Switzerland

Ire­ne Krie­si und Aria­ne Bas­ler benüt­zen Daten des Kin­der- und Jugend­sur­vey COCON, der über 1000 Jugend­li­che im Alter von 15 bis 21 wie­der­holt zu ihren Wunsch­be­ru­fen befragt. Jun­ge Frau­en wol­len am Ende der obli­ga­to­ri­schen Schul­zeit am liebs­ten kauf­män­ni­sche Ange­stell­te, Ärz­tin oder Klein­kin­der­er­zie­he­rin wer­den. Jun­ge Män­ner möch­ten mit 15 Jah­ren am häu­figs­ten Infor­ma­ti­ker, Pro­fi­sport­ler oder Auto­me­cha­ni­ker wer­den.

Der Sta­tus der Wunsch­be­ru­fe ist eng mit der Art der post­ob­li­ga­to­ri­schen Aus­bil­dung ver­knüpft. Jugend­li­che, die das Gym­na­si­um absol­vie­ren, wün­schen sich Beru­fe mit höhe­rem sozia­lem Sta­tus als Jugend­li­che in einer Berufs­leh­re. So möch­ten ange­hen­de Gym­na­si­as­tin­nen im Alter von 15 am häu­figs­ten Ärz­tin, Tier­ärz­tin, Rechts­an­wäl­tin oder Pri­mar­leh­re­rin wer­den. Dem­ge­gen­über wün­schen sich 15-jäh­ri­ge Mäd­chen, die eine Berufs­leh­re mit mitt­le­ren oder nied­ri­gen schu­li­schen Anfor­de­run­gen antre­ten, Beru­fe mit tie­fe­rem Sta­tus – am häu­figs­ten Fach­frau Gesund­heit, Detail­han­dels­an­ge­stell­te, Klein­kin­der­er­zie­he­rin oder Flo­ris­tin.

Der Sta­tus der beruf­li­chen Aspi­ra­tio­nen unter­schei­den sich auch nach Geschlecht. Jun­ge Män­ner wün­schen sich ab 18 Jah­ren Beru­fe mit deut­lich höhe­rem Sta­tus als jun­ge Frau­en. Dies dürf­te dazu bei­tra­gen, dass jun­ge Frau­en – trotz grös­se­rem Schul­erfolg – im Arbeits­markt früh ins Hin­ter­tref­fen gera­ten. Schliess­lich spielt auch die elter­li­che Bil­dung eine ent­schei­den­de Rol­le. Jugend­li­che, deren Eltern über einen ter­tiä­ren Bil­dungs­ab­schluss ver­fü­gen, wün­schen sich bei ver­gleich­ba­rem Schul­typ und Schul­leis­tun­gen Beru­fe mit einem höhe­ren Sta­tus als Jugend­li­che mit Eltern ohne ter­tiä­ren Abschluss.

Social Chan­ge
Die Rei­he Social Chan­ge in Switz­er­land doku­men­tiert lau­fend die gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Schweiz. Die Rei­he wird gemein­sam her­aus­ge­ge­ben vom Schwei­zer Kom­pe­tenz­zen­trum Sozi­al­wis­sen­schaf­ten FORS, vom Zen­trum für die Erfor­schung von Lebens­läu­fen und Ungleich­hei­ten der sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Lau­sanne LINES, sowie vom Schwei­zer Kom­pe­tenz­zen­trum LIVES zur For­schung der Über­win­dung der Ver­letz­bar­keit im Ver­lauf des Lebens. Ziel der Rei­he ist es, Ver­än­de­run­gen bezüg­lich Arbeit, Fami­lie, Ein­kom­men, Mobi­li­tät, Stimm­recht oder Geschlech­ter­ver­hält­nis­se auf­zu­zei­gen. Die Bei­trä­ge beru­hen auf wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen und rich­ten sich an ein brei­te­res Publi­kum.

Refe­renz
  • I. Krie­si & A. Bas­ler (2020). Die Ent­wick­lung der Berufs­wün­sche von jun­gen Frau­en und Män­nern in der Schweiz. Social Chan­ge in Switz­er­land, N°23, www.socialchangeswitzerland.ch
 
Bild: rawpixel.com
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