Wandel der persönlichen Beziehungen schafft neue soziale Risiken

Die Poli­tik ver­lässt sich trotz der Diver­si­fi­zie­rung der Lebens­ver­läu­fe nach wie vor stark auf die Soli­da­ri­tät inner­halb der Fami­lie. Die Netz­wer­ke der per­sön­li­chen Bezie­hun­gen sind jedoch viel­fäl­ti­ger gewor­den und stüt­zen sich nicht zuletzt auf Freun­de oder Arbeits­kol­le­gen ab. Dies zei­gen die Ergeb­nis­se der Stu­die Fami­ly tiMes, wel­che eine Wei­ter­ent­wick­lung der Sozi­al- und Fami­li­en­po­li­tik hin zu einer stär­ke­ren Ori­en­tie­rung an der Rea­li­tät der Lebens­ver­läu­fe nahe­le­gen.

Die sozia­len Bezie­hun­gen einer Per­son ent­ste­hen und ver­än­dern sich durch Ereig­nis­se im Lebens­lauf, wie Eltern­schaft, Arbeits­lo­sig­keit oder einen Unfall. Das For­scher­team um Gaël­le Aeby, Jac­ques-Antoi­ne Gaut­hi­er und Eric D. Wid­mer zeigt, dass die heu­ti­gen Lebens­ver­läu­fe einer “Ent­stan­dar­di­sie­rung ” unter­lie­gen. Die­se wird durch grös­se­re Unsi­cher­heit im Lebens-ver­lauf ver­ur­sacht und erklärt sich zudem dadurch, dass bestimm­te Ereig­nis­se und Ent-schei­dun­gen heu­te eher rück­gän­gig gemacht wer­den, wie z.B. die Ehe oder die ursprüng­li­che­Be­rufs­wahl. Infol­ge­des­sen ver­än­dert sich auch die Struk­tur der per­sön­li­chen Netz­wer­ke.

Die Stu­die Fami­ly tiMes zeigt auf der Basis einer Befra­gung von 800 Per­so­nen, dass das Netz­werk der­je­ni­gen Indi­vi­du­en, die als sehr wich­tig erach­tet wer­den, im Durch­schnitt vier Per­so­nen umfasst. Die drei For­schen­den iden­ti­fi­zie­ren sie­ben Typen von per­sön­li­chen Netz-wer­ken; vier davon sind auf die Fami­lie und drei auf Freun­de aus­ge­rich­tet. Die Kern­fa­mi­lie (Ehe­part­ner und Kin­der) steht im Mit­tel­punkt der Bezie­hun­gen von Indi­vi­du­en, die zwi­schen 20 und 30 Eltern gewor­den sind. Im Gegen­satz dazu stüt­zen sich die Netz­wer­ke von Per­so­nen, die ein Ehe­le­ben (ohne Kin­der) bevor­zu­gen, Sin­gle sind oder eine Schei­dung erlebt haben, eher auf freund­schaft­li­che Bezie­hun­gen ab. Es sind die­se Netz­wer­ke, die ihnen emo­tio­na­le und mate­ri­el­le Unter­stüt­zung bie­ten.

Risikogruppen besser identifizieren

Die Kin­der­be­treu­ung, die Finan­zie­rung einer Erst­aus­bil­dung oder auch die Betreu­ung älte­rer Men­schen hängt in der Schweiz nach wie vor stark von der Soli­da­ri­tät inner­halb der Fami­lie ab. Um gefähr­de­te Grup­pen bes­ser zu iden­ti­fi­zie­ren und den Unwäg­bar­kei­ten heu­ti­ger Fami­li­en­ver­läu­fe bes­ser gerecht zu wer­den, soll­te die Poli­tik kri­ti­sche Lebens­er­eig­nis­se stär­ker berück­sich­ti­gen.


Refe­renz:

Gaël­le Aeby, Jac­ques-Antoi­ne Gaut­hi­er et Eric D. Wid­mer (2019), Bezie­hun­gen im Lauf der Zeit: Kar­to­gra­fie der per­sön­li­chen Netz­wer­ke in der Schweiz. Soci­al Chan­ge in Swit­zer-land, N°19. Retrie­ved from www.socialchangeswitzerland.ch

Bild: rawpixel.com

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