Auch in der Unipolitik mischen seit diesem Jahr mehr Frauen mit

Im April wur­den bei Wah­len fürs Stu­die­ren­den­par­la­ment der Uni­ver­si­tät Zürich zum ers­ten Mal mehr Frau­en als Män­ner gewählt. Wirkt die Kam­pa­gne Hel­ve­tia ruft in die­sem Jahr flä­chen­de­ckend? Mei­ne Ana­ly­se zeigt, dass es dafür eini­ge Hin­wei­se gibt. 

An der Uni­ver­si­tät Zürich stel­len Stu­den­tin­nen mit 58 Pro­zent die Mehr­heit der Stu­die­ren­den. Für die Legis­la­tur­pe­ri­ode 2019 bis 2021 sind die Geschlech­ter im Stu­die­ren­den­par­la­ment VSUZH-Rat zum ers­ten Mal annä­hernd glei­cher­mas­sen ver­tre­ten. Der Frau­en­an­teil im  der Uni­ver­si­tät Zürich (VSUZH-Rat) beträgt neu 55 Pro­zent, wäh­rend die­ser bei den Wah­len 2017 noch bei 41 Pro­zent lag.

Gleiche Chancen für Männer und Frauen auf einen guten Listenplatz für den VSUZH-Rat

Die bemer­kens­wer­te Ver­bes­se­rung der Reprä­sen­ta­ti­on der Frau­en in der Uni-Poli­tik ist nicht dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass sich mehr Frau­en zur Wahl stell­ten oder dass sie auf bes­se­re Lis­ten­plät­ze gesetzt wor­den wären. Sowohl im Jahr 2017 als auch im Jahr 2019 kan­di­dier­ten unge­fähr 40 Pro­zent Frau­en auf den Lis­ten der uni­ver­si­tä­ren Frak­tio­nen (Abbil­dung 1).

Abbildung 1: Anteil der Kandidierenden nach Fraktion und Geschlecht, VSUZH-Wahlen 2019

Von den elf Lis­ten schick­ten fünf mehr oder gleich­viel Frau­en wie Män­ner ins Ren­nen (IGOR, SI Recht, IGI, FV Jus, Kri­Po – Femi­nis­mus für alle!), eine Frak­ti­on erreich­te einen Frau­en­an­teil von 40 Pro­zent (filo). Bei drei Frak­tio­nen lag die­ser zwi­schen 20 und 30 Pro­zent (FV Oec, Kri­Po – Ver­hält­nis­se ver­bes­sern!, Vor­wärts) und eine Lis­te trat ohne Kan­di­da­tin­nen an (SIM).  Die Rei­hen­fol­ge der Kan­di­die­ren­den auf der Lis­te wird von den Frak­tio­nen frei gewählt.

Frau­en wur­den zudem im Ver­gleich mit Män­nern bei der Ver­ga­be der Lis­ten­plät­ze nicht sys­te­ma­tisch bevor­zugt. Nur eine Frak­ti­on ver­gab die obers­ten Lis­ten­plät­ze aus­schliess­lich an Frau­en, drei Frak­tio­nen setz­ten Frau­en und Män­ner abwech­selnd auf ihre Lis­te, die rest­li­chen Frak­tio­nen folg­ten die­sem Mus­ter teil­wei­se oder wand­ten ein ande­res Sys­tem an.

Frauen mit 30 Prozent besserer Wahlchance

Wie mei­ne Aus­wer­tun­gen zei­gen, haben sich Kan­di­da­tin­nen bei der Wahl 2019 im Ver­gleich zu den Kan­di­da­ten stark ver­bes­sern kön­nen. So rutsch­ten die Frau­en im Schnitt gut vier Lis­ten­plät­ze nach oben, bei der Wahl 2017 ver­bes­ser­ten sie sich um 1.3 Plät­ze (Abbil­dung 2). Die Wahl­chan­cen der Frau­en lagen somit über 30 Pro­zent höher als die der Män­ner. Die Kan­di­da­tin­nen wur­den von den Stu­die­ren­den häu­fi­ger gewählt oder bei der Wahl auf einen bes­se­ren Lis­ten­platz gesetzt. Der Bis­he­ri­gen­sta­tus hat­te zudem kei­nen Ein­fluss auf die Ver­bes­se­rung des Listenplatzes.

Abbildung 2: Durchschnittliche Verbesserung des Listenplatzes nach Fraktion und Geschlecht, VSUZH-Wahlen 2019

Obwohl der Anteil der weib­li­chen Kan­di­die­ren­den im Ver­gleich zu den Wah­len 2017 gleich blieb, scheint die Nach­fra­ge nach Frau­en in der Uni­po­li­tik ange­stie­gen zu sein. Obwohl auch im Jahr 2019 mehr Män­ner als Frau­en für den VSUZH-Rat kan­di­dier­ten, schaff­ten mehr Frau­en als Män­ner den Sprung ins Studierendenparlament.

Geschlecht als entscheidender Faktor für den Wahlentscheid?

Um den Frau­en­an­teil in der Poli­tik zu erhö­hen, wer­den Par­tei­en auf­ge­for­ert, mehr Frau­en zu nomi­nie­ren. Die Reprä­sen­ta­ti­on von Frau­en in der Poli­tik wird aber nicht nur durch mehr weib­li­che Kan­di­die­ren­de auf den Lis­ten erhöht, die Prä­fe­ren­zen und das Wahl­ver­hal­ten der Wäh­len­den spie­len eben­falls eine Rolle.

Wie das Ergeb­nis der Wah­len für den VSUZH-Rat genau zu erklä­ren ist bzw. ob Kan­di­da­tin­nen sys­te­ma­tisch bevor­zugt wur­den, kann nicht voll­um­fas­send unter­sucht wer­den, da dafür kei­ne Daten vorliegen.

In der Schweiz wur­de in den letz­ten Mona­ten aller­dings viel über den Frau­en­an­teil in der Poli­tik gespro­chen. So wur­den im Dezem­ber 2018 erst­mals zwei Bun­des­rä­tin­nen gleich­zei­tig in die natio­na­le Exe­ku­ti­ve gewählt und im letz­ten Herbst lan­cier­ten alli­an­ce f und Ope­ra­ti­on Libe­ro medi­en­wirk­sam die Kam­pa­gne Hel­ve­tia ruft!, mit dem Ziel, im Wahl­jahr 2019 Frau­en zu moti­vie­ren, für ein poli­ti­sches Amt zu kandidieren.

Es ist somit durch­aus denk­bar, dass durch die Sali­enz des The­mas in den Medi­en in den ver­gan­ge­nen Mona­ten auch eine Sen­si­bi­li­sie­rung für die Pro­ble­ma­tik der Unter­re­prä­sen­ta­ti­on der Stu­den­tinn­nen im VSUZH-Rat statt­ge­fun­den hat.

 

Mit herz­li­chem Dank an Pro­fes­sor Fabri­zio Gilar­di für das Feed­back und die Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge für die Daten­ana­ly­se. Tan­ja Bur­ri dan­ke ich für den Plot von Abbil­dung 2.


Bild: VSUZH

 

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