Wie wir politische Probleme wahrnehmen und gewichten

Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler müs­sen bei jeder poli­ti­schen Sach­fra­ge die dahin­ter lie­gen­den Pro­ble­me erken­nen und inter­pre­tie­ren. Erst dann kön­nen sie sich eine Mei­nung bil­den und poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen tref­fen. Mei­ne Unter­su­chung zeigt, dass die Wahr­neh­mun­gen der Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer zu poli­ti­schen The­men wie Immi­gra­ti­on und Wirt­schafts­po­li­tik ins­ge­samt zwar viel­fäl­tig, in Ein­zel­fäl­len aber auch etwas unaus­ge­wo­gen sind.

Dass die mensch­li­che Auf­merk­sam­keit begrenzt ist, ist bekannt. Aber die Fül­le an Infor­ma­ti­on in der heu­ti­gen schnell­le­bi­gen Zeit hat die Anfor­de­run­gen an unse­re Auf­nah­me­fä­hig­keit noch­mals hoch­ge­schraubt. Dies ist auch dann der Fall, wenn es um poli­ti­sche The­men geht.

Folg­lich ist es eher als Wunsch­den­ken zu betrach­ten, dass sich alle Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer voll­um­fäng­lich über alle poli­ti­schen Pro­ble­me infor­mie­ren. Dies ist für vie­le Men­schen wegen man­geln­der Zeit sowie dem zu leis­ten­den Auf­wand nicht zu bewäl­ti­gen. Den­noch wäre es für das Funk­tio­nie­ren einer Demo­kra­tie wün­schens­wert, wenn sich alle Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler so inten­siv wie mög­lich mit poli­ti­schen The­men aus­ein­an­der­set­zen, dabei ver­schie­dens­te Teil­as­pek­te eines sich stel­len­den Pro­blems berück­sich­ti­gen und schluss­end­lich eine aus­ge­wo­ge­ne Ent­schei­dung tref­fen kön­nen.

Die wich­tigs­ten Resul­ta­te mei­ner Unter­su­chung las­sen sich in fol­gen­den drei Punk­ten zusam­men­fas­sen:

  • Per­so­nen, die regel­mäs­sig per­sön­li­che Gesprä­che über Poli­tik füh­ren, die eine höhe­re Aus­bil­dung haben und die oft tra­di­tio­nel­le Infor­ma­ti­ons­quel­len wie Zei­tun­gen, Radio und Fern­se­hen nut­zen, berück­sich­ti­gen im Durch­schnitt mehr Aspek­te von poli­ti­schen The­men und ent­schei­den des­halb auf­grund einer aus­ge­wo­ge­ne­ren Infor­ma­ti­ons­grund­la­ge.
  • Poli­tisch inter­es­sier­te Per­so­nen sowie Per­so­nen, die stark pola­ri­sie­ren­de Infor­ma­ti­ons­quel­len nut­zen, bezie­hen sich hin­ge­gen gezielt nur auf ein­zel­ne Aspek­te von poli­ti­schen Pro­ble­men. Eine sol­che Ein­sei­tig­keit ist ver­mut­lich ein Hin­der­nis für poli­ti­sche Tole­ranz, da kon­kur­rie­ren­de Infor­ma­tio­nen dau­er­haft aus­ge­blen­det wer­den.
  • All­fäl­li­ge nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen von neu­en Medi­en auf die poli­ti­sche Kom­pe­tenz der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger konn­te in die­ser Stu­die nicht bestä­tigt wer­den. Der nega­ti­ve Ein­fluss der oft ange­pran­ger­ten neu­en Medi­en auf die Poli­tik (Bail et al.) wur­de zumin­dest in der Schweiz für die letz­ten eid­ge­nös­si­schen Wah­len deut­lich über­be­wer­tet.
Fazit

uner­läss­lich. Obwohl es unmög­lich ist, voll­stän­di­ge Infor­ma­tio­nen zu allen poli­tisch aktu­el­len The­men zu erlan­gen, ist es wich­tig, sich um ein mög­lichst hohes Infor­ma­ti­ons­ni­veau zu bemü­hen.

 


Refe­renz:

 
Lite­ra­tur:
  • Chris­to­pher A. BailLisa P. ArgyleTay­lor W. BrownJohn P. Bum­pusHao­han ChenM. B. Fal­lin Hun­z­akerJaemin LeeMar­cus MannFrie­do­lin Mer­houtAlex­an­der Vol­fovs­ky (2018). “Expo­sure to oppo­sing views on soci­al media can increa­se poli­ti­cal pola­ri­za­ti­on”. 

 

Bild: Demons­tra­ti­on der Gilets Jau­nes, wiki­me­dia com­mons.

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