Macht Demokratie Digital! – Update für die Schweiz

Die Digi­ta­li­sie­rung hat die direk­te Demo­kra­tie mit­ge­ris­sen. Doch nie­mand wagt sich ans Steu­er, um den Kurs vor­zu­ge­ben. Wäh­rend tra­di­tio­nel­le Ver­bän­de, Par­tei­en und Lob­bys in der Kri­se ste­cken, erobern in der Schweiz ver­netz­te Mei­nungs­ma­cher, vira­le Online­kam­pa­gnen und digi­ta­le Platt­for­men die poli­ti­sche Büh­ne. Die Risi­ken sind bekannt: Popu­lis­mus, Fake News und Daten­schutz sind nur eini­ge Stich­wor­te. Kaum The­ma waren bis­her die Chan­cen der Digi­ta­li­sie­rung für eine smar­te­re Ver­wal­tung, für mehr Mit­ge­stal­tung und eine stär­ke­re Demo­kra­tie.

Neue Tech­no­lo­gi­en prä­gen nicht nur den All­tag und die Wirt­schaft. Sie ver­än­dern fun­da­men­tal die Art und Wei­se, wie unse­re Demo­kra­tie orga­ni­siert ist. Die Digi­ta­li­sie­rung macht das poli­ti­sche Sys­tem nicht nur schnel­ler, ein­fa­cher und güns­ti­ger; der Sprung ins Inter­net bie­tet Bür­ge­rin­nen und Bür­gern neue Zugän­ge – Form und Ort des poli­ti­schen Dis­kur­ses pas­sen sich an, poli­ti­sches Enga­ge­ment kann neue Gestalt anneh­men, und Akteu­re wie Ver­bän­de oder Par­tei­en müs­sen sich neu orga­ni­sie­ren. Mehr Trans­pa­renz, mehr Mit­be­stim­mung und mehr Zugang sind mög­lich.

Civic Tech – die Werkzeuge der politischen Teilnahme

Dass das hohe Tem­po des tech­no­lo­gi­schen Fort­schritts vie­le Sicher­hei­ten ins Wan­ken bringt, wird nicht ver­schwie­gen: Staats­tra­gen­de Orga­ni­sa­tio­nen wer­den von dyna­mi­schen Netz­wer­ken abge­löst. Inter­na­tio­na­le Kon­zer­ne beein­flus­sen die natio­na­le Poli­tik, digi­ta­le Empö­rungs­wel­len kön­nen bei Volks­ab­stim­mun­gen zu neu­en Mehr­hei­ten füh­ren. Alle die­se Ver­än­de­run­gen fin­den zudem nicht am Expe­ri­men­tier­tisch statt, son­dern in funk­tio­nie­ren­den, leben­di­gen Gesell­schaf­ten.

Des­halb haben wir Sze­na­ri­en ent­wor­fen, Ide­en skiz­ziert und Vor­schlä­ge gemacht, wie sich die direk­te Demo­kra­tie wei­ter­ent­wi­ckeln lies­se. Dabei set­zen wir auf neue Instru­men­te, die unter dem Begriff Civic Tech zusam­men­ge­fasst wer­den: «Tech­no­lo­gi­en, die es den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern erlau­ben, sich aktiv in die poli­ti­schen Pro­zes­se ein­zu­schal­ten und Ver­ant­wor­tung für die digi­ta­le Wil­lens­na­ti­on zu über­neh­men.»

Fünf einprägsame Zukunftsszenarien

Wir illus­trie­ren nicht nur die neu­en Mög­lich­kei­ten und Neben­wir­kun­gen der Digi­ta­li­sie­rung, son­dern wir rich­ten mit­tels fünf Sze­na­ri­en auch den Blick in die Zukunft und ent­wer­fen bei­spiels­wei­se einen 27. Kan­ton: Die «Répu­bli­que Digi­ta­le». Im Zen­trum steht jedoch auch die Fra­ge, wie sich die Dyna­mik auf Bür­ge­rin­nen und Bür­ger aus­wirkt und wie sie Exe­ku­ti­ve, Legis­la­ti­ve und Judi­ka­ti­ve ver­än­dert.

Zudem zei­gen wir auf, wel­che Platt­for­men – neben Face­book und Twit­ter – genutzt und wie die­se in den Dienst einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft gestellt wer­den kön­nen. Wie Crowd-Kam­pa­gnen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger mobi­li­sie­ren, wie eta­blier­te Ver­bän­de, Par­tei­en oder Gewerk­schaf­ten auf dyna­mi­sche Neu­lin­ge reagie­ren, die als sich stän­dig neu zusam­men­set­zen­de Netz­wer­ke die poli­ti­schen Pro­zes­se auf­mi­schen. Dabei wird aber auch gefragt, wie eine Schwei­zer Aus­sen­po­li­tik im digi­ta­len Zeit­al­ter aus­se­hen könn­te.


Der Bei­trag basiert auf dem Buch «Agen­da für eine digi­ta­le Demo­kra­tie. Chan­cen, Gefah­ren, Sze­na­ri­en».

Bild: rawpixel.com

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