Nein zu No Billag aus Angst vor Sendeschluss

60 Pro­zent der Stim­men­den glaub­ten nicht an ein Fort­be­stehen der SRG ohne Bil­lag-Gebüh­ren. Der Erhalt eines star­ken Ser­vice public in allen Lan­des­re­gio­nen im All­ge­mei­nen und der SRG im Beson­de­ren waren denn auch die Haupt­grün­de für das deut­li­che Schei­tern der No-Bil­lag-Initia­ti­ve. Ein­zig unter Sym­pa­thi­san­tin­nen und Sym­pa­thi­san­ten der SVP leg­te eine knap­pe Mehr­heit ein Ja in die Urne. Trotz der deut­li­chen Ableh­nung der Initia­ti­ve wün­schen sich 58 Pro­zent der Stim­men­den, dass sich die SRG refor­miert und ihr Ange­bot redu­ziert. Dies zeigt die aktu­el­le Voto-Stu­die. 

VOTO

Ver­si­on françai­se / Ver­sio­ne ita­lia­na

Am deut­lichs­ten war das Nein zur No-Bil­lag-Initia­ti­ve in den Anhän­ger­schaf­ten von Grü­nen, SP, GLP und CVP, die das Volks­be­geh­ren mit Nein-Stim­men­an­tei­len zwi­schen 90 und 84 Pro­zent wuch­tig ablehn­ten. Ent­spre­chend der Par­tei­pa­ro­le erziel­te die Initia­ti­ve bei den SVP-Sym­pa­thi­sie­ren­den zwar eine Ja-Mehr­heit. Sie fiel mit 54 Pro­zent aller­dings knapp aus. Ein beträcht­li­cher Teil der SVP-Anhän­ger­schaft wich von der Par­tei­li­nie ab. Per­so­nen, die sich links­aus­sen posi­tio­nie­ren, lehn­ten die Abschaf­fung der Radio- und Fern­seh­ge­büh­ren mit 94 Pro­zent prak­tisch uni­so­no ab. Das Anlie­gen stiess in der poli­ti­schen Mit­te und leicht rechts davon zwar auf mehr Gehör, ver­fehl­te die Mehr­heit aber auch dort deut­lich (70% bzw. 65% Nein). Ledig­lich unter Stim­men­den, die sich rechts­aus­sen ver­or­ten, waren die Mei­nun­gen zur No-Bil­lag- Initia­ti­ve tief gespal­ten (49% Ja-Anteil).

Aus­ge­rech­net die viel­zi­tier­te «Genera­ti­on Net­flix» lehn­te die Volks­in­itia­ti­ve am deut­lichs­ten ab. Über alle Alters­ka­te­go­ri­en gese­hen war der Ja-Stim­men­an­teil in der Grup­pe der 18- bis 29-Jäh­ri­gen mit 20 Pro­zent am tiefs­ten. Am häu­figs­ten spra­chen sich die 40- bis 49-Jäh­ri­gen für die No-Bil­lag-Initia­ti­ve aus (40% Ja- Anteil). Die SRG geniesst denn auch lan­des­weit ein gros­ses Ver­trau­en: 73 Pro­zent der befrag­ten Stimm­be­rech­tig­ten brin­gen ihr ein hohes oder gar sehr hohes Ver­trau­en ent­ge­gen. Wei­ter gaben 70 Pro­zent der Befrag­ten an, das TV- oder Radio-Ange­bot der SRG täg­lich zu nut­zen und 69 Pro­zent beur­tei­len die Qua­li­tät des ange­bo­te­nen Pro­gramms als gut bis sehr gut.

Unter den Nein-Moti­ven domi­nier­ten der Wunsch nach dem Erhalt eines star­ken Ser­vice public in allen Lan­des­tei­len sowie die posi­ti­ve Bewer­tung der SRG und ihrer Leis­tun­gen. 43 Pro­zent der Nein-Stim­men­den gaben ein Motiv im Zusam­men­hang mit dem Ser­vice public als Haupt­grund ihres Stimm­ent­scheids an. Mit 26 Pro­zent wur­den am zweit­häu­figs­ten expli­zit die SRG oder die Qua­li­tät ihrer Pro­gram­me genannt. Für 36 Pro­zent der Initia­tiv-Befür­wor­ten­den war die Höhe der Bil­lag-Gebüh­ren der aus­schlag­ge­ben­de Grund ihres Ent­scheids. Ein Vier­tel äus­ser­te zudem Kri­tik an der SRG sowie ihren Pro­gram­men als Haupt­grund der Initia­tiv­an­nah­me. Dage­gen wur­den liber­tä­re Argu­men­te wie z.B. die Ent­schei­dungs­frei­heit bezüg­lich des eige­nen Medi­en­kon­sums oder die Befrei­ung von Zwangs­ge­büh­ren nur von 17 Pro­zent der Ja-Stim­men­den als ers­tes genannt.

Den Initia­tiv­geg­nern ist es gelun­gen, glaub­haft zu machen, dass bei einem Ja für die SRG Sen­de­schluss ist. So glaub­ten 60 Pro­zent der Stim­men­den nicht an ein Fort­be­stehen der SRG ohne Bil­lag-Gebüh­ren. Trotz des wuch­ti­gen Neins zur No-Bil­lag-Initia­ti­ve denkt aber eine Mehr­heit (58%), dass die SRG zu gross gewor­den sei und ihr Ange­bot redu­zie­ren soll. Über­ra­schen­der­wei­se nimmt die Zustim­mung zu die­sem Argu­ment ab, je jün­ger die Stim­men­den sind. Unter den 18- bis 29-Jäh­ri­gen stimm­te eine Min­der­heit von 42 Pro­zent dem Argu­ment zu, wäh­rend es bei den Senio­rin­nen und Senio­ren zwei Drit­tel waren.

SVP-Sympathisierende am kritischsten gegenüber NFO 2021

Die Vor­la­ge zur neu­en Finanz­ord­nung 2021 war unum­strit­ten. In kei­ner ein­zi­gen Merk­mals­grup­pe fand sich eine Mehr­heit gegen den Bun­des­be­schluss. Unter den Par­tei­an­hän­ger­schaf­ten waren Sym­pa­thi­sie­ren­de der SVP der NFO 2021 gegen­über am kri­tischs­ten ein­ge­stellt: Ein Drit­tel von ihnen votier­te mit Nein. Die Stim­men­den waren sich gross­mehr­heit­lich einig, dass der Bund die Ein­nah­men aus der direk­ten Bun­des­steu­er und der Mehr­wert­steu­er für die Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben brau­che. So pflich­te­ten 89 Pro­zent die­sem Argu­ment bei. Sogar unter den Nein-Stim­men­den aner­kann­te eine Mehr­heit von 59 Pro­zent die Wich­tig­keit der bei­den Ein­nah­me­quel­len für den Bund. Das mit 20 Pro­zent am häu­figs­ten genann­te sub­stan­zi­el­le Haupt­ar­gu­ment gegen die NFO 2021 war eine grund­sätz­li­che Abnei­gung gegen­über Steu­ern. Den Ja-Stim­men­den ging es dage­gen in ers­ter Linie dar­um, die Finan­zie­rung der Bun­des­auf­ga­ben sowie die Kon­ti­nui­tät der bestehen­den Finanz­ord­nung zu sichern (26 bzw. 18% der genann­ten Haupt­grün­de).

Mit 54.8 Pro­zent war die Betei­li­gung am ver­gan­ge­nen Abstim­mungs­sonn­tag über­durch­schnitt­lich hoch. Sowohl jun­ge als auch älte­re Stimm­be­rech­tig­te gin­gen häu­fi­ger an die Urne als gewöhn­lich, die stär­ke­re Betei­li­gung betraf somit alle Alters­klas­sen glei­cher­mas­sen. Den­noch blieb auch am 4. März eine über­wie­gen­de Mehr­heit der 18- bis 29-jäh­ri­gen Stimm­be­rech­tig­ten der Urne fern (65%). Im Ver­gleich zu ande­ren Abstim­mungs­vor­la­gen waren die Stim­men­den im Fall der No-Bil­lag-Initia­ti­ve aus­ser­or­dent­lich gut infor­miert. Die hohe Infor­miert­heit ist nicht zuletzt der ein­fach ver­ständ­li­chen und lebens­na­hen Abstim­mungs­fra­ge sowie dem über­aus lan­gen und inten­siv geführ­ten Abstim­mungs­kampf geschul­det.


Zitierweise:

Anke Tresch, Lukas Laue­ner und Lau­ra Scaper­rot­ta (2018). VOTO-Stu­die zur eid­ge­nös­si­schen Volks­ab­stim­mung vom 4. März 2018. FORS, ZDA, LINK: Lausanne/Aarau/Luzern.

Für Fragen zur Studie:

Dr. Anke Tresch, 076 459 49 39, ankedaniela.tresch@unil.ch.


Die VOTO-Stu­die
Die VOTO-Stu­di­en sind ein gemein­sa­mes Pro­jekt des For­schungs­zen­trums FORS, dem Zen­trum für Demo­kra­tie Aar­au (ZDA) und dem Befra­gungs­in­sti­tut LINK. Finan­ziert wird VOTO von der Schwei­ze­ri­schen Bun­des­kanz­lei.

Für die Voto-Stu­die wur­den im Nach­gang der Abstim­mun­gen vom 4. März 2018 1’531 Stimm­be­rech­tig­te aus der gan­zen Schweiz befragt.

Alle Berich­te, die Fra­ge­bo­gen sowie die Roh­da­ten mit Zusatz­in­for­ma­tio­nen zur Erhe­bung sind für wis­sen­schaft­li­che Zwe­cke frei zugäng­lich unter www.voto.swiss bzw. durch das FORS-Daten­ar­chiv forsbase.unil.ch.

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