FDP: Die Lieblingspartei der Wahlen 2015

Die FDP fes­tigte bei den Eid­genös­sis­chen Wahlen 2015 ihre Stel­lung als führende Wirtschaftspartei. Die SVP legte dank ein­er soli­den Wäh­ler­ba­sis und der Angst vor der Migra­tion zu. GLP und BDP kön­nen nach wie vor nur auf eine kleine Stammwäh­ler­schaft zählen und wer­den zudem nicht als Prob­lem­lö­sungsparteien wahrgenom­men. Das zeigen die Resul­tate der Schweiz­er Wahlstudie Selects, die heute veröf­fentlicht wur­den.

SVP und FDP waren die grossen Gewin­ner der Eid­genös­sis­chen Wahlen 2015, ver­loren haben die neuen Mit­teparteien GLP und BDP. Das Wahlver­hal­ten hin­ter dem Resul­tat wurde im Rah­men des Wahlforschung­spro­jek­tes Selects zum sech­sten Mal unter­sucht.

Die Resul­tate zeigen: 2015 gelang es der SVP erneut viel bess­er als allen anderen Parteien, ihre poten­tielle Wäh­ler­schaft zu mobil­isieren. Fast alle, die 2011 SVP wählten, gaben 2015 erneut der SVP ihre Stimme. Und wer 2011 nicht gewählt hat­te, gab 2015 über­durch­schnit­tlich oft der SVP die Stimme. Die Volkspartei kon­nte davon prof­i­tieren, dass die Wäh­ler­schaft ihre Kern­the­men Migra­tion, Asyl und Flüchtlinge während der let­zten zwei Monat­en des Wahlkampfes mit grossem Vor­sprung als wichtig­stes Prob­lem betra­chtete.

FDP wird viel Kompetenz zugesprochen

Zugelegt hat 2015 die FDP. Sie hat leicht an Stim­men gewon­nen und sich zu der Partei gemausert, bei der sich am meis­ten Wäh­lende vorstellen kön­nen, sie ein­mal zu wählen. Damit hat die FDP ihre Basis poten­tieller Wäh­lerin­nen und Wäh­ler mas­siv erweit­ert. Hinzu kommt, dass sie von der Wäh­ler­schaft als die Partei wahrgenom­men wird, die sich am stärk­sten um die Wirtschaft­spoli­tik küm­mert und auf diesem Gebi­et am kom­pe­ten­testen ist. Die SVP wird demge­genüber nur von zehn Prozent der Wäh­len­den als führende Wirtschaftspartei wahrgenom­men. Der FDP wird auch die höch­ste Kom­pe­tenz in der Europa­poli­tik zuge­sprochen.

Bei den bei­den noch jun­gen Parteien BDP und GLP zeigt sich auch 2015 ihr noch immer wack­liges Fun­da­ment. Bei­de Parteien haben nur eine kleine Stammwäh­ler­schaft, sie sind auf Wech­sel­wäh­lende angewiesen, um nicht einzubrechen. Hinzu kommt, dass die bei­den Parteien von der Wäh­ler­schaft 2015 kaum mit bes­timmten The­men oder mit Lösun­gen dazu in Verbindung gebracht wur­den. Das hat dazu geführt, dass der Anteil der Wäh­ler, die sich vorstellen kön­nten, GLP oder BDP zu wählen, gegenüber 2011 deut­lich zurück­ge­gan­gen ist.

Ein anderes Prob­lem hat die CVP: Sie wird vor allem von Tra­di­tion­swäh­len­den unter­stützt, die aber im Laufe der Zeit immer weniger gewor­den sind.

Bürgerliche: Diskrepanz zwischen Kandidierenden und Wählenden

Bei den Wahlen 2015 ist die Polar­isierung des Schweiz­er Parteien­sys­tems nochmals gröss­er gewor­den. Die Wäh­ler­schaft ist in den let­zten zwanzig Jahren ins­ge­samt nicht sub­stantiell nach rechts oder links gerückt. Aber die Wäh­lerin­nen und Wäh­ler der SVP sind deut­lich rechter gewor­den, jene der FDP ein wenig rechter. Die Wäh­ler­schaft von SP und GPS ist dage­gen seit 1995 link­er gewor­den. Diese Polar­isierung ist für die GPS und die SP ein Prob­lem, weil sie dadurch weniger Ausstrahlungskraft in die Mitte haben als noch 1995 (Abbil­dung 1). Das beschränkt ihr Wach­s­tumspo­ten­tial, da es nicht mehr linke Wäh­lende gibt.

Abbildung 1:

Polarisierung

Beim Ver­gle­ich der poli­tis­chen Posi­tio­nen zwis­chen der Wäh­ler­schaft und den Kan­di­dieren­den ver­schieden­er Parteien zeigt sich, dass die Kan­di­dieren­den von GPS, SP und CVP auf der Links-Rechts-Achse sehr ähn­lich posi­tion­iert sind wie ihre Wäh­ler­schaft. Bei der GLP, BDP, FDP und SVP sind die Kan­di­dieren­den hinge­gen rechter posi­tion­iert als ihre Wäh­ler­schaft. Am auf­fäl­lig­sten ist dies bei der GLP. Während sich die GLP-Kan­di­dieren­den in der Mitte verorten, sehen sich die GLP-Wäh­len­den klar links der Mitte (Abbil­dung 2).

Abbildung 2:

Grafik 2

Auch bei den Posi­tio­nen zu ver­schiede­nen Sach­fra­gen zeigen sich vor allem bei den bürg­er­lichen Parteien Dif­feren­zen. So sind bei SVP, FDP, BDP und auch der GLP eine Mehrheit der Kan­di­dieren­den für eine Erhöhung des Rentenal­ters. Bei der Wäh­ler­schaft dieser vier Parteien ist hinge­gen eine Mehrheit dage­gen.

Hin­weis: Dieser Beitrag bezieht sich auf Lutz, Georg (2016). Eid­genös­sis­che Wahlen 2015. Wahlteil­nahme und Wahlentscheid. Lau­sanne: FORS-Selects. Die Pub­lika­tion ste­ht in Deutsch, in Franzö­sisch und in Ital­ienisch unter www.selects.ch zum Down­load bere­it.

Selects
Seit 1995 find­en alle vier Jahre Unter­suchun­gen des Wahlver­hal­tens bei den eid­genös­sis­chen Wahlen im Rah­men von Selects statt. Selects ist ein Net­zw­erk von Wahlforscherin­nen und Wahlforsch­ern ver­schieden­er Schweiz­er Uni­ver­sitäten und mit Wahlen beschäftigter Stellen beim Bund (BFS, Bun­deskan­zlei). Diese bilden eine Kom­mis­sion, welche die wis­senschaftliche Ver­ant­wor­tung für das Pro­jekt trägt. Selects wird vom Schweiz­erischen Nation­al­fonds (SNF) gefördert und bei FORS in Lau­sanne durchge­führt. Selects erhebt Dat­en für die Wis­senschaft. Sämtliche Selects-Dat­en sind bei FORS  doku­men­tiert und für wis­senschaftliche Zwecke frei zugänglich.

Im Rah­men von Selects wur­den zu den Wahlen 2015 umfan­gre­iche Erhe­bun­gen durchge­führt:

  • Nach­wahlbe­fra­gung von 5’337 Stimm­berechtigten

  • Vier­ma­lige Befra­gung der gle­ichen Per­so­n­en vor und nach der Wahlen mit 7’000 bis 11’000 Inter­views

  • Befra­gung von 1’676 Kan­di­dieren­den für den Nation­al- und Stän­der­at

  • Selects Medi­en­analyse 2015


Titel­bild: FDP

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