Der Weg zum sicheren E‑Collecting

Die Ein­schrän­kun­gen auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie ver­lei­hen den For­de­run­gen nach der Ein­füh­rung einer elek­tro­ni­schen Unter­schrif­ten­samm­lung Auf­trieb. Eine Unter­su­chung am Zen­trum für Demo­kra­tie Aar­au (ZDA) ana­ly­siert ver­schie­de­ne Umset­zungs­va­ri­an­ten und zeigt den jewei­li­gen Recht­set­zungs­be­darf auf. Das For­scher­team plä­diert für eine Lösung, bei der E‑Collecting gleich­wer­tig und par­al­lel zum ana­lo­gen Unter­schrif­ten­sam­meln betrie­ben wer­den kann.

Wer eine Volks­in­itia­ti­ve oder ein Volks­re­fe­ren­dum unter­stüt­zen will, muss dies heu­te durch eine hand­schrift­li­che Unter­schrift tun. Aus­nah­men gibt es nur im Rah­men von Pilot­ver­su­chen. Wenn künf­tig auch elek­tro­ni­sche Unter­schrif­ten­samm­lun­gen mög­lich sein sol­len, braucht es zwar kei­ne Ver­fas­sungs­än­de­rung, aber umfang­rei­che Anpas­sun­gen auf Geset­zes­stu­fe. In einer in der Zeit­schrift «LeGes» publi­zier­ten Stu­die zei­gen Kat­ja Gfel­ler, Andre­as Gla­ser und Iri­na Leh­ner ver­schie­de­ne tech­ni­sche Optio­nen und den Recht­set­zungs­be­darf auf.

Als inef­fi­zi­ent und am Sta­tus quo ver­haf­tet bezeich­nen sie eine Touch­screen-Lösung. Zwar wäre es für die Stimm­bür­ge­rin­nen und Stimm­bür­ger ein­fach, mit dem Fin­ger auf dem Smart­pho­ne zu signie­ren. Die Pro­zes­se nach der Unter­zeich­nung, dabei ins­be­son­de­re die Beschei­ni­gung der Stimm­be­rech­ti­gung der Unter­zeich­nen­den, könn­ten mit die­ser Vari­an­te aber schlecht auto­ma­ti­siert wer­den. Das For­scher­team bevor­zugt des­halb ein voll­wer­ti­ges E‑Collecting unter Ver­wen­dung einer elek­tro­ni­schen Iden­ti­fi­ka­ti­ons­lö­sung, wie sie bei­spiels­wei­se im Kan­ton Schaff­hau­sen Anwen­dung findet.

Die Autoren­schaft hält Befürch­tun­gen, wonach E‑Collecting zu einem nicht bewäl­tig­ba­ren Anstieg von Volks­in­itia­ti­ven und ‑refe­ren­den füh­ren könn­te, für unbe­grün­det. So sind es in eini­gen Kan­to­nen zur­zeit vor allem Par­la­ments­mit­glie­der, die das Refe­ren­dum ergrei­fen, und nicht das Stimm­volk. Aus die­sem Grund wird auch die Umset­zungs­va­ri­an­te abge­lehnt, bei der nur ein klei­ner Anteil der Unter­schrif­ten elek­tro­nisch gesam­melt wer­den darf. E‑Collecting sei höchs­tens in einer Pilot- oder Ein­füh­rungs­pha­se zu kon­tin­gen­tie­ren. Die Anpas­sung des Modus der Stimm­ab­ga­be voll­zie­he schliess­lich ver­än­der­te gesell­schaft­li­che Rah­men­be­din­gun­gen und Gewohn­hei­ten nach, wie frü­her bei der Ein­füh­rung der brief­li­chen Stimmabgabe. 


Die Stu­die:

Gfel­ler, Kat­ja, Andre­as Gla­ser und Iri­na Leh­ner (2021): E‑Collecting: Umset­zungs­va­ri­an­ten und
Recht­set­zungs­be­darf
, in: LeGes 32 (2021). PDF-Ver­si­on (Open access)

 

Bild: WeCollect


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