11. Aarauer Demokratietage: Direkte Demokratie im Fokus

Das Zen­trum für Demo­kra­tie Aar­au (ZDA) nimmt die Ent­ste­hung der direk­ten Demo­kra­tie in ihrer heu­ti­gen Form zum Anlass für eine Stand­ort­be­stim­mung. Bun­des­rat Igna­zio Cas­sis eröff­net die Ver­an­stal­tung mit einem Refe­rat über direk­te Demo­kra­tie und Euro­pa­po­li­tik. Ein hoch­ak­tu­el­les The­ma, das heiss debat­tiert wird.

Aarauer Demokratietage

Gesell­schaft­li­che Rah­men­be­din­gung für eine geleb­te direk­te Demo­kra­tie ist eine kri­ti­sche Zivil­ge­sell­schaft. Grund­le­gen­de Pfei­ler hier­für sind eine allen zugäng­li­che Bil­dung, Medi­en­viel­falt und eine hete­ro­ge­ne Par­tei­en­land­schaft. Wie soll unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen poli­ti­sche Bil­dung ver­mit­telt wer­den? Wie inten­siv macht die Zivil­ge­sell­schaft in der Gegen­wart Gebrauch von den Volks­rech­ten? Wel­che Impli­ka­tio­nen hat dies für die direk­te Demo­kra­tie, wie sie in der Schweiz aus­ge­stal­tet ist und für das Ver­hält­nis zwi­schen der Schweiz und Euro­pa?

Die­se Fra­gen ste­hen im Fokus der 11. Aar­au­er Demo­kra­tieta­ge, die am 28./29. März 2019 im Kul­tur & Kon­gress­haus Aar­au statt­fin­den. Mit einem Refe­rat über «Direk­te Demo­kra­tie und Euro­pa­po­li­tik» eröff­net Bun­des­rat Igna­zio Cas­sis die dies­jäh­ri­ge Aus­ga­be der Demo­kra­tieta­ge. Das anschlies­sen­de Podi­ums­ge­spräch ver­tieft die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Euro­pa und der Schweiz und bin­det auch die kan­to­na­le Per­spek­ti­ve mit ein. Unter der Lei­tung von ZDA-Direk­tor Andre­as Gla­ser dis­ku­tie­ren Land­am­mann Urs Hof­mann (SP), CVP-Natio­nal­rä­tin Eli­sa­beth Schnei­der-Schnei­ter und SVP-Natio­nal­rä­tin Bar­ba­ra Stei­ne­mann. Die wis­sen­schaft­li­che Tagung am 29. März 2019 spannt den Bogen von den Anfän­gen der direk­ten Demo­kra­tie im 19. Jahr­hun­dert — ins­be­son­de­re im Kan­ton Aar­gau – bis zu den Her­aus­for­de­run­gen in Gegen­wart und Zukunft.

Geschichte der Volksrechte in der Schweiz

Vie­le gegen­wär­ti­ge Fra­ge­stel­lun­gen sind nicht neu. Bereits damals erkann­te die Demo­kra­tie-Avant­gar­de, dass der Zugang zu Bil­dung eine Vor­aus­set­zung für eine poli­ti­sche Öffent­lich­keit ist. Zum Bei­spiel Hein­rich Zschok­ke (1771–1848): Als Schlüs­sel­fi­gur auf kan­to­na­ler wie eid­ge­nös­si­scher Ebe­ne setz­te er sich für ein bes­se­res Bil­dungs­we­sen und die Pres­se­frei­heit ein. Der gebür­ti­ge Mag­de­bur­ger und libe­ra­le Den­ker war ein ent­schei­den­der Akteur in der Auf­bau­pha­se des Kan­tons Aar­gau und präg­te den Über­gang von der alten Eid­ge­nos­sen­schaft zum Bun­des­staat 1848. His­to­ri­ker und Zschok­ke-Bio­graf Wer­ner Ort wird den Bei­trag von Hein­rich Zschok­ke zum Auf­bau einer poli­ti­schen Öffent­lich­keit im Aar­gau an der wis­sen­schaft­li­chen Tagung beleuch­ten.

Wie die Kan­to­ne Thur­gau, St. Gal­len, Waadt und Tes­sin ist der Aar­gau im Zuge der Media­ti­on 1803 ent­stan­den. Die­se Kan­to­ne spiel­ten bei der Her­aus­bil­dung direkt­de­mo­kra­ti­scher Instru­men­te eine prä­gen­de Rol­le. Von ihnen aus­ge­hend brei­te­ten sich die Volks­rech­te nach und nach über die gan­ze Schweiz aus. In St. Gal­len wird 1831 das ers­te Volks­ve­to ein­ge­führt und die Ver­fas­sung von 1845 des Kan­tons Waadt ent­hält das ers­te Refe­ren­dum, das bereits Züge einer moder­nen Volks­in­itia­ti­ve vor­weg­nimmt. Im Kan­ton Aar­gau kommt es 1840/41 zu einem erfolg­lo­sen Ver­such zur Ein­füh­rung eines Vetos durch die katho­li­schen Bezir­ke, wie der His­to­ri­ker Rolf Gra­ber schreibt, der eben­falls an der Tagung refe­rie­ren wird. Panel 1 zeich­net Ent­ste­hung und Ent­wick­lung der direk­ten Demo­kra­tie im Aar­gau nach und beleuch­tet, wel­che Rol­le dabei die Demo­kra­ti­sche Bewe­gung spiel­te. Inwie­weit hat­ten die Ent­wick­lun­gen im Aar­gau Pio­nier­cha­rak­ter und wur­den von ande­ren Kan­to­nen über­nom­men? Wel­che Impul­se über­nahm wie­der­um der Aar­gau von ande­ren Kan­to­nen?

Politische Bildung im digitalen Zeitalter

Nach einen Blick zurück soll ins­be­son­de­re auch ein Blick in die Zukunft gewor­fen wer­den. Wo die Chan­cen der direk­ten Demo­kra­tie heu­te lie­gen und wo die Her­aus­for­de­run­gen, ist Gegen­stand von Panel 3, das ZDA-Assis­tenz­pro­fes­so­rin Nad­ja Braun Bin­der mode­rie­ren wird. So erläu­tert bei­spiels­wei­se ZDA-Co-Direk­to­rin Moni­ka Wal­dis den heu­ti­gen Stand der poli­ti­schen Bil­dung in der Schweiz und im Aar­gau und beschäf­tigt sich mit der Fra­ge, was Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne in Zei­ten von Glo­ba­li­sie­rung, Digi­ta­li­sie­rung und Fake News über Poli­tik wis­sen müs­sen. Demo­kra­tie lebt von gut infor­mier­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­gern. Ins­be­son­de­re die direk­te Demo­kra­tie, wo sie über Sach­fra­gen ent­schei­den, ist eine umfas­sen­de und kor­rek­te Infor­ma­ti­on für die Mei­nungs­bil­dung wich­tig.

Aar­au­er Demo­kra­tieta­ge
Die Aar­au­er Demo­kra­tieta­ge (ADT) fin­den jähr­lich statt und wer­den vom Zen­trum für Demo­kra­tie Aar­au orga­ni­siert. An den ADT wer­den aktu­el­le poli­ti­sche Fra­gen auf­ge­nom­men und debat­tiert. Die Ver­an­stal­tung rich­tet sich an Per­so­nen aus Wis­sen­schaft, Poli­tik, Medi­en und an die Öffent­lich­keit. Sie ist öffent­lich und kos­ten­los.

11. Aar­au­er Demo­kra­tieta­ge: 150 Jah­re direk­te Demo­kra­tie im Kan­ton Aar­gau, 28./29. März 2019 im Kul­tur & Kon­gress­haus Aar­au. Für die wis­sen­schaft­li­che Tagung am 29. März ist eine Anmel­dung erfor­der­lich. www.demokratietage-zda.ch

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