VOTO-Studie zu den eidgenössischen Volksabstimmungen vom 25. September 2016

Am 25. Sep­tem­ber wur­de über die Initia­ti­ve “Grü­ne Wirt­schaft” und über die „AHVplus“-Initiative sowie über das Nach­rich­ten­dienst­ge­setz abge­stimmt. Wirt­schaft­li­che Argu­men­te brach­ten die bei­den Initia­ti­ven zu Fall, die Zustim­mung zum Nach­rich­ten­dienst­ge­setz war ein Ent­scheid für mehr Sicher­heit.

VOTO

Ver­si­on françai­se / ver­sio­ne ita­lia­na

Weder die Initia­ti­ve „Grü­ne Wirt­schaft“ noch die „AHVplus“-Initiative ver­moch­ten über das links-grü­ne Lager hin­aus zu mobi­li­sie­ren, obwohl die Kern­an­lie­gen bei­der Initia­ti­ven vie­le Sym­pa­thi­en genies­sen. Bei der Initia­ti­ve „Grü­ne Wirt­schaft“ waren es die Angst vor nega­ti­ven wirt­schaft­li­chen Kon­se­quen­zen und die Beden­ken gegen die Umsetz­bar­keit, die zur Ableh­nung führ­ten, wäh­rend die „AHVplus“-Initiative haupt­säch­lich dar­an schei­ter­te, dass die Finan­zier­bar­keit ange­zwei­felt wur­de.

Die Zustim­mung zum Nach­rich­ten­dienst­ge­setz war ein Ent­scheid für mehr Sicher­heit, für die man nöti­gen­falls auch Ein­schrän­kun­gen der per­sön­li­chen Frei­heit hin­zu­neh­men bereit ist. Dies zeigt die Ana­ly­se der Befra­gung von 1’575 Stimm­be­rech­tig­ten im Rah­men der VOTO-Stu­die zu den eid­ge­nös­si­schen Abstim­mun­gen vom 25. Sep­tem­ber 2016. Die Stu­die wur­de von FORS, dem ZDA Aar­au und dem Befra­gungs­in­sti­tut LINK durch­ge­führt und von der Bun­des­kanz­lei finan­ziert.

Initiative “Grüne Wirtschaft” 

Das Begeh­ren schei­ter­te an der Urne, weil aus Sicht der Stim­men­den zu vie­le Grün­de dage­gen spra­chen. Ein Teil der Stim­men­den war der Ansicht, dass die Initia­ti­ve dem Werk­platz Schweiz scha­de oder zu einer Ver­teue­rung von Pro­duk­ten füh­re. Ande­re hat­ten Zwei­fel an der Umsetz­bar­keit der Initia­ti­ve oder fühl­ten sich von ihr bevor­mun­det. Wie­der­um ande­re gaben an, die Schweiz för­de­re den Umwelt­schutz hin­rei­chend. In ihrer Sum­me brach­ten die­se unter­schied­li­chen Nein-Grün­de die Initia­ti­ve zu Fall.

Für die Befür­wor­ten­den hin­ge­gen war der Umwelt­schutz das zen­tra­le Motiv für die Annah­me der Initia­ti­ve. Obwohl das Begeh­ren deut­lich schei­ter­te, genies­sen sei­ne Kern­an­lie­gen Sym­pa­thi­en, die weit über das Ja-Lager hin­aus­rei­chen. Rund zwei Drit­tel aller Stim­men­den begrüs­sen einen grös­se­ren Bei­trag der Wirt­schaft zum Umwelt­schutz und sind davon über­zeugt, dass den umwelt­scho­nen­den Tech­no­lo­gi­en die Zukunft gehört.

Der Pro-Sei­te gelang es im Abstim­mungs­kampf nicht, die für Umwelt­vor­la­gen typi­sche Kon­flikt­li­nie zwi­schen links und rechts auf­zu­bre­chen. Nur im lin­ken Lager erziel­te die Initia­ti­ve eine Mehr­heit. In der Mit­te des poli­ti­schen Spek­trums wur­de sie hin­ge­gen deut­lich abge­lehnt (70% Nein-Anteil) und rechts davon lag die Ableh­nung gar bei über 80 Pro­zent. Im lin­ken Lager fand das Begeh­ren zudem kei­ne geschlos­se­ne Zustim­mung: Ein­zig bei der GPS-Anhän­ger­schaft erziel­te es eine Mehr­heit von über 80 Pro­zent (87% Ja-Anteil). Von den Anhän­ge­rin­nen und Anhän­gern der SP und GLP leg­ten hin­ge­gen nur etwa zwei von drei Stim­men­den ein Ja in die Urnen. Unter­schie­de gab es hin­sicht­lich Bil­dung und Alter: Jün­ge­re Stim­men­de und sol­che mit Hoch­schul­ab­schluss stimm­ten der Initia­ti­ve häu­fi­ger zu als Älte­re und Per­so­nen mit tie­fe­rem Bil­dungs­grad.

 Initiative “AHVplus: für eine starke AHV 

Zwar ist eine kla­re Mehr­heit der Stim­men­den (69%) der Mei­nung, dass eine Anpas­sung der Ren­ten an die gestie­ge­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten not­wen­dig sei, doch am Ende wur­de die “AHVplus”-Initiative abge­lehnt – pri­mär des­halb, weil man an ihrer Finan­zier­bar­keit zwei­fel­te. Fast die Hälf­te aller Nein-Stim­men­den nann­te die­ses Motiv spon­tan als wich­tigs­ten Grund für ihre ableh­nen­de Hal­tung. Eine nicht uner­heb­li­che Zahl der Nein-Stim­men­den war zudem der Ansicht, dass eine pau­scha­le Ren­ten­er­hö­hung aus­ge­rech­net jenen, die am ehes­ten dar­auf ange­wie­sen wären, gar nichts nüt­ze. Dar­über hin­aus aber geniesst die AHV gröss­te Sym­pa­thi­en, was etwa dar­in zum Aus­druck kommt, dass rund drei Vier­tel aller Stim­men­den sie für die sichers­te Alters­vor­sor­ge hal­ten und gegen­über den Pen­si­ons­kas­sen stär­ken wol­len.

Trotz der par­tei­über­grei­fen­den Beliebt­heit der AHV wur­de der Urnen­ent­scheid mass­geb­lich durch den Links-rechts-Gegen­satz geprägt. Wer mit der SP und der GPS sym­pa­thi­siert, stimm­te der Initia­ti­ve mehr­heit­lich zu. Alle ande­ren Par­tei­an­hän­ger­schaf­ten lehn­ten die Initia­ti­ve hin­ge­gen klar ab, am deut­lichs­ten jene der FDP. Bemer­kens­wert ist jedoch, dass jeder drit­te SVP-Sym­pa­thi­sie­ren­de sie gut­hiess. Umge­kehrt wichen fast 30 Pro­zent der SP-Gefolg­schaft von der Par­tei­pa­ro­le ab und leg­ten ein Nein in die Urnen.

Im Vor­feld der Abstim­mung wur­de bei die­ser Vor­la­ge ein Genera­tio­nen­gra­ben befürch­tet. Ein sol­cher öff­ne­te sich zwar tat­säch­lich, jedoch war er bei wei­tem nicht so tief wie ver­mu­tet. Die jün­ge­ren Stim­men­den lehn­ten die Vor­la­ge zwar wie erwar­tet deut­lich ab, die Rent­ne­rin­nen und Rent­ner hin­ge­gen stimm­ten kei­nes­wegs geschlos­sen für eine Ren­ten­er­hö­hung – im Gegen­teil: In unse­rer Stich­pro­be ver­war­fen sie die Initia­ti­ve gar mehr­heit­lich, wenn auch nur knapp. Von einem Genera­tio­nen­kon­flikt kann dem­nach nicht die Rede sein.

Nachrichtendienstgesetz

Der Ent­scheid zum Nach­rich­ten­dienst­ge­setz stand unter dem Ein­druck der gegen­wär­ti­gen glo­ba­len Sicher­heits­la­ge. Eine gros­se Mehr­heit befand das Gesetz für not­wen­dig im Kampf gegen den Ter­ro­ris­mus.

Die Über­zeu­gung, die Schweiz brau­che zum Schutz vor ter­ro­ris­ti­schen Gewalt­ak­ten einen star­ken Nach­rich­ten­dienst, fand bei fast allen Ja-Stim­men­den Anklang. Selbst eine knap­pe Mehr­heit der Geg­ner­schaft stimm­te dem zu. Bemer­kens­wert ist zudem, dass zwei Drit­tel aller Befrag­ten bereit sind, für ein Mehr an Sicher­heit auch gewis­se Ein­schrän­kun­gen der per­sön­li­chen Frei­heit in Kauf zu neh­men.

Für die Geg­ner bil­de­te der unver­hält­nis­mäs­si­ge Ein­griff in die Pri­vat­sphä­re den wich­tigs­ten Ableh­nungs­grund. Oft wur­de zudem auch die Effek­ti­vi­tät bzw. der Nut­zen des neu­en Geset­zes ange­zwei­felt. Nur im lin­ken, äus­se­ren Spek­trum des Links-rechts-Kon­ti­nu­ums stiess die Revi­si­on jedoch auf mehr­heit­li­che Ableh­nung. Bei der gemäs­sig­ten Lin­ken und der SP-Anhän­ger­schaft fan­den sich bereits Mehr­hei­ten zuguns­ten der Revi­si­on. Wei­ter spiel­ten auch das Alter und das Regie­rungs­ver­trau­en eine Rol­le: Mit stei­gen­dem Alter und zuneh­men­dem Ver­trau­en in den Bun­des­rat stieg auch die Zustim­mung zum Gesetz.

Hin­weis zur Zitier­wei­se: Milic, Tho­mas und Dani­el Küb­ler (2016). VOTO-Stu­die zur eid­ge­nös­si­schen Volks­ab­stim­mung vom  25. Sep­tem­ber 2016. FORS, ZDA, LINK: Lausanne/Aarau/Luzern.

Kon­takt:

  • Fra­gen zum Inhalt der Stu­die: Dr. Tho­mas Milic, 079 600 82 36, thomas.milic@zda.uzh.ch (Stu­di­en­ver­ant­wort­li­cher VOTO am Zen­trum für Demo­kra­tie Aar­au und Co-Autor der Stu­die).
  • Fra­gen zum VOTO-Pro­jekt: Prof. Dr. Georg Lutz, 078 689 18 54, georg.lutz@fors.unil.ch (Pro­jek­tei­ter VOTO, Direk­tor FORS).

Die VOTO-Stu­die
Die VOTO-Stu­di­en sind ein gemein­sa­mes Pro­jekt von FORS, dem ZDA Aar­au und dem Befra­gungs­in­sti­tut LINK. Finan­ziert wird VOTO von der Schwei­ze­ri­schen Bun­des­kanz­lei. Die Befra­gung wird vom Bund seit Herbst 2016 neu anstel­le der VOX-Ana­ly­sen an den VOTO-Ver­bund in Auf­trag ver­ge­ben.

Für die­se Stu­die wur­den zwi­schen dem 27.9. und 14.10.2016 1‘575 zufäl­lig aus­ge­wähl­te Stimm­be­rech­tig­te per Tele­fon­in­ter­view befragt. Die Fra­ge­for­mu­lie­run­gen, die Erhe­bun­gen sowie die Daten­ana­ly­se lie­gen in der allei­ni­gen Ver­ant­wor­tung von VOTO. Alle Berich­te, die Fra­ge­bo­gen sowie die Roh­da­ten mit Zusatz­in­for­ma­tio­nen zur Erhe­bung sind für wis­sen­schaft­li­che Zwe­cke frei zugäng­lich unter www.voto.swiss bzw. durch das FORS Daten­ar­chiv forsbase.unil.ch.

Bild: Wiki­me­dia Com­mons

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