DSI auf Twitter: Zivilgesellschaft nicht stärker präsent als bei übrigen Abstimmungen

Die Debat­te um die Durch­set­zungs­in­itia­ti­ve auf Twit­ter war nicht stär­ker von zivil­ge­sell­schaft­li­chen Akteu­ren geprägt als die übri­gen Abstim­mun­gen vom 28. Febru­ar 2016. Dies zeigt eine Aus­wer­tung drei­er Daten­jour­na­lis­mus-Stu­die­ren­den der Uni­ver­si­tät Zürich.

Das Schei­tern der Durch­set­zungs­in­itia­ti­ve am 28. Febru­ar 2016 haben vie­le Kom­men­ta­to­ren auf das Erstar­ken des zivil­ge­sell­schaft­li­chen Enga­ge­ments zurück­ge­führt. Der Abstim­mungs­kampf, der stär­ker als je zuvor auch auf Soci­al Media geführt wur­de, wur­de als Beweis dafür ange­führt. Doch war die Abstim­mungs­de­bat­te wirk­lich von einer der­ar­ti­gen zivil­ge­sell­schaft­li­chen Domi­nanz und einer unty­pi­schen Abwe­sen­heit der eta­blier­ten Par­tei­en geprägt?

Abbildung 1:

Graph 1

Wie unse­re Ana­ly­se zeigt, lau­tet die Ant­wort Nein. Zwar kön­nen mehr als die Hälf­te der 100 Twit­ter-Nut­ze­rIn­nen, deren Tweets zur DSI am häu­figs­ten geteilt wur­den, zivil­ge­sell­schaft­li­chen Akteu­ren zuge­ord­net wer­den. Im Ver­gleich zu den übri­gen Abstim­mun­gen vom 28. Febru­ar ist die zivil­ge­sell­schaft­li­che Prä­senz jedoch nicht mar­kant grös­ser. Bei der Debat­te zur CVP-Initia­ti­ve „Für Ehe und Fami­lie – gegen die Hei­rats­stra­fe“ ist die Ver­tei­lung zwi­schen par­tei­po­li­ti­schen und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Akteu­ren fast iden­tisch. In der Debat­te zur zwei­ten Gott­hardröh­re gaben sogar deut­lich mehr zivil­ge­sell­schaft­li­che Akteu­re den Ton an.

Am häu­figs­ten geteilt wur­den die DSI-Tweets vom NGO-Komi­tee gegen die Durch­set­zungs­in­itia­ti­ve: Das Bünd­nis ver­schie­de­ner Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen trat auf Twit­ter unter dem Namen @DSI_Nein auf und wur­de 1184 Mal ret­wee­tet. Auf der Rang­lis­te fol­gen die Orga­ni­sa­ti­on Schutz­fak­torM, der Dich­ter und Musi­ker Jürg Hal­ter, der Zür­cher SVP-Gemein­de­rat Samu­el Bal­si­ger, der Aar­gau­er GLP-Natio­nal­rat Beat Flach, der Twit­te­rer Andre­as Aer­ni und die Ope­ra­ti­on Libe­ro sowie die Twit­te­rer Peter Stämpf­li, Dani­el Men­na und San­dro Lüscher.

Mehr Tweets als zu den eidgenössischen Wahlen

Noch nie zuvor erlang­te eine Initia­ti­ve auf Face­book, Twit­ter und Co. so viel Auf­merk­sam­keit wie die Durch­set­zungs­in­itia­ti­ve der SVP. Allei­ne in den letz­ten vier Wochen vor der Abstim­mung am 28. Febru­ar 2016 erschie­nen mit 23’000 Tweets mehr als im gesam­ten Wahl­kampf zu den eid­ge­nös­si­schen Wah­len 2015.

Vie­le der Twit­ter-Nut­zer ver­wen­de­ten die Hash­tags #DSI, #DSIn­ein oder #DSI­ja, um ihre Bei­trä­ge zur Debat­te zu kenn­zeich­nen. Im Zeit­raum vom 1. Okto­ber 2015 bis 1. März 2016 wur­den über 7’000 Tweets mit die­sen Hash­tags ver­öf­fent­licht. Obwohl bis weit in den Win­ter hin­ein vie­les auf eine Annah­me der Initia­ti­ve hin­deu­te­te, zeig­te sich auf Twit­ter schon am Anfang des Abstim­mungs­kamp­fes ein ande­res Bild: Ab Ende Dezem­ber eta­blier­te sich der Hash­tag #DSIn­ein stark, wäh­rend #DSI­ja kaum sicht­bar wur­de.

Abbildung 2:

Hashtags

Widerstand in Basel-Land und Bern, Zuspruch im Thurgau

Setzt man die Anzahl Tweets ins Ver­hält­nis zur Popu­la­ti­on des jewei­li­gen Kan­tons, zeigt sich, wo sich auf Twit­ter beson­ders viel Wider­stand gegen die DSI reg­te.

Abbildung 3:

DSInein

Auf Twit­ter kam der stärks­te Wider­stand gegen die DSI aus dem Kan­ton Basel-Land. Marc Bue­r­gi, Prä­si­dent der BDP Basel-Land­schaft erwies sich dabei als der unan­ge­foch­te­ne „Twit­ter-Tur­bo“ gegen die DSI. Noch vor Basel-Stadt und Zürich kom­plet­tie­ren die Kan­to­ne Bern und das eben­falls länd­li­che Solo­thurn das Spit­zen­feld in punc­to erfolg­rei­cher Twit­ter­mo­bi­li­sie­rung. Hier tat sich etwa Rue­di Löf­fel (BE, EVP) als akti­ver Nein-Twit­te­rer her­aus. Bemer­kens­wert ist, dass trotz der Amts­spra­che Fran­zö­sisch auch zahl­rei­che ableh­nen­de Tweets aus dem Kan­ton Waadt auf Deutsch gesen­det wur­den.

Abbildung 4:

DSIja

Zuspruch erhielt die Initia­ti­ve hin­ge­gen aus dem Thur­gau sowie aus Zürich und St. Gal­len. Dabei sta­chen vor allem die zahl­rei­chen Tweets von Mar­co Rüegg (TG, FDP) und Wer­ner Bech­tel (ZH, SVP) her­aus, die für eine Annah­me der DSI an der Urne war­ben.

Hin­weis: Die­ser Bei­trag wur­de zusam­men­ge­stellt aus drei Arti­keln, die im April 2016 auf dem Daten­jour­na­lis­mus-Blog des IPZ erschie­nen. 


Titel­bild: DeFac­to

Lek­to­rat: Pas­cal Burk­hard, Sarah Büti­ko­fer

Print Friendly, PDF & Email