Walliser sind die fleissigsten Wähler

In der Schweiz geht im Durch­schnitt fast jed­er Zweite an die Urne. Zwis­chen den Regio­nen gibt es aber beachtliche Unter­schiede.  

Bei den nationalen Par­la­mentswahlen 2011 bemühte sich knapp die Hälfte der Schweiz­er Stimm­berechtigten an die Urne. Mit 48.5 Prozent Wahlbeteili­gung erre­icht­en die let­zten Wahlen den besten Wert seit 1983. Doch die Wahlbeteili­gung vari­iert stark zwis­chen den Kan­to­nen und den Gemein­den.

Die unten­ste­hende Karte zeigt die Wahlbeteili­gung der einzel­nen Schweiz­er Gemein­den bei den Nation­al­ratswahlen 2011.

 

Nir­gends in der Schweiz war die Wahlbeteili­gung bei den Par­la­mentswahlen 2011 so hoch wie in der Wal­lis­er Gemeinde Saas-Almag­ell: 251 der 289 Wahlberechtigten legten damals ihre Wahlzettel in die Urne, das ergibt eine Wahlbeteili­gung von reko­rd­ho­hen 86.9 Prozent. Das ist fast dop­pelt so viel wie im Schweiz­er Durch­schnitt.  

Hohe Wahlbeteiligung in Walliser CVP-Gemeinden

Die kleine Gemeinde im Saastal ist in ihrer Region keine Aus­nahme, denn unter den fün­fzig Schweiz­er Gemein­den mit der höch­sten Wahlbeteili­gung befind­en sich 36 im Wal­lis. Im Wal­lis ist nicht nur die Wahlbeteili­gung hoch, auch die CVP ist bekan­ntlich hoch im Kurs: In den Gemein­den mit hoher Wahlbeteili­gung ist die CVP fast aus­nahm­s­los die stärk­ste Partei. Kip­pel ist die Gemeinde mit dem schweizweit höch­sten CVP-Wäh­ler­an­teil (87.2 Prozent). Sie liegt im Lötschen­tal und weist mit 84.7 Prozent die drit­thöch­ste Wahlbeteili­gung aus.  

Liste der zehn wahleifrigsten Gemeinden (2011)
GemeindeKan­tonWahlberechtigteWäh­lendeWahlbeteili­gung
St. Mar­tinGraubün­den2428.3 %
CamaGraubün­den3579326.1 %
Hen­niezWaadt1765028.4 %
San­ta Maria in C.Graubün­den972828.9 %
Rovere­doGraubün­den160646428.9 %
La Fer­rièreBern39811929.9 %
Glarus NordGlarus11049332530.1 %
Leg­giaGraubün­den962930.2 %
Sonvili­erBern82324930.3 %
Rouge­montWaadt52215830.3 %
Obwaldner Kampfwahl lockte Wähler in Scharen an die Urne

Viele der Gemein­den mit ein­er sehr hohen Wahlbeteili­gung liegen im Wal­lis. Aber der Kan­ton mit der durch­schnit­tlich höch­sten Beteili­gung an den Wahlen ist der Kan­ton Obwalden. Vor vier Jahren ver­mochte die Kampfwahl zwis­chen Karl Vogler (Christlich­soziale Partei Obwalden) und Christoph von Rotz (SVP) um den einzi­gen Nation­al­ratssitz fast zwei Drit­tel der wahlberechti­gen Obwald­ner­in­nen und Obwald­ner an die Urne zu lock­en. 

Wahlpflicht führt ebenfalls zu hoher Beteiligung

Schaffhausen ist der einzige Kan­ton, der eine Stimm- und Wahlpflicht ken­nt. Nichtwäh­ler müssen heute mit ein­er Busse in der Höhe von sechs Franken rech­nen. Die Stimm- und Wahlpflicht führte tra­di­tionell dazu, dass die Schaffhauserin­nen und Schaffhauser fleis­siger als der Schweiz­er Durch­schnitt an Wahlen teil­nah­men. 2011 ging die Wahlbeteili­gung in Schaffhausen allerd­ings zurück und erre­ichte mit 60.8 Prozent einen his­torischen Tief­s­tand. 

Mehr Nichtwähler in der Westschweiz – und Zürich

Es gibt auf der anderen Seite auch Erk­lärun­gen für eine unter­durch­schnit­tliche Wahlteil­nahme. Eine tra­di­tionell tiefe Wahlbeteili­gung an nationalen Wahlen ist in der Westschweiz festzustellen. Dort weisen im Ver­gle­ich zur Deutschschweiz dafür lokale Wahlen in der Regel höhere Beteili­gungswerte auf.

Leicht unter dem Durch­schnitt lag die Beteili­gung 2011 auch in Stadt und Kan­ton Zürich. Rund 46 Prozent der Stadtzürcher Stimm­berechtigten, gin­gen an die Urne. Beson­ders deut­lich zeigt sich die tiefe Mobil­isierung der Stimm­berechtigten in der Agglom­er­a­tion: Vor allem in den Gebi­eten der nördlichen Agglom­er­a­tion rund um Zürich sticht die schwache Wahlteil­nahme von weniger als 40 Prozent ins Auge.  

Tiefe Beteiligung bei konkurrenzlosen Wahlen

Auf­fal­l­end tief war die Beteili­gung 2011 auch in den drei Gemein­den des Kan­tons Glarus. Diese ist dadurch zu erk­lären, dass BDP-Kan­di­dat Mar­tin Lan­dolt prak­tisch ohne nen­nenswerte Konkur­renz antrat. Die gle­iche Erk­lärung gilt für die Gemein­den in Appen­zell-Innerrho­den, in denen der CVP-Kan­di­dat Daniel Fässler mit einem hohen Wäh­ler­an­teil gewann. Ganz all­ge­mein hängt die Beteili­gung an Wahlen in Majorzkan­to­nen stark davon ab, wie kom­pet­i­tiv die Wahlen sind und ob die Wäh­lerin­nen und Wäh­ler auch tat­säch­lich vor eine Wahl gestellt wer­den. 

Liste der zehn wahlfaulsten Gemeinden 2011
GemeindeKan­tonWahlberechtigteWäh­lendeWahlbeteili­gung
St. Mar­tinGraubün­den2428.3 %
CamaGraubün­den3579326.1 %
Hen­niezWaadt1765028.4 %
San­ta Maria in C.Graubün­den972828.9 %
Rovere­doGraubün­den160646428.9 %
La Fer­rièreBern39811929.9 %
Glarus NordGlarus11049332530.1 %
Leg­giaGraubün­den962930.2 %
Sonvili­erBern82324930.3 %
Rouge­montWaadt52215830.3 %
Sind Katholiken die eifrigeren Wähler?

In der Par­tizipa­tions­forschung gibt es eine Rei­he von Ansätzen, mit welchen unter­schiedliche Wahlbeteili­gun­gen zu erk­lären ver­sucht wer­den. In der Regel wer­den dafür Unter­schiede im Bil­dungs­stand, der wirtschaftlichen Lage oder der Altersstruk­tur der Wäh­ler­schaft her­beige­zo­gen. Ten­den­ziell ist die Beteili­gung in Gemein­den mit vie­len Gut­ge­bilde­ten und älteren Per­so­n­en höher.

Zur Erk­lärung von regionalen Unter­schieden sprechen Beobachter gerne von ein­er poli­tis­chen Kul­tur, die in der Zen­tralschweiz sowie den Kan­to­nen Wal­lis oder Tessin in Hin­blick auf poli­tis­che Par­tizipa­tion beson­ders aus­geprägt ist.  

So nan­nte der Poli­tik­wis­senschaftler Markus Fre­itag vor zehn Jahren den „Katholizis­mus als Schubkraft der poli­tis­chen Beteili­gung“. In seinen sta­tis­tis­chen Mod­ellen erwies sich der Anteil der Katho­liken in ein­er Gemeinde als stärk­ste Erk­lärungskraft für die Par­tizipa­tion an kan­tonalen Wahlen. Ob dieser Zusam­men­hang auch für nationale Wahlen gilt, wurde bish­er aber nicht wis­senschaftlich unter­sucht.

Kan­tonWahlbeteili­gungKatho­likenan­teil
Obwalden64.3 %74.3 %
Wal­lis61.8 %75.4 %
Nid­walden60.9 %68.6 %
Schaffhausen60.8 %22.8 %
Zug55.1 %53.4 %
Tessin54.3 %68.8 %
Solothurn51.7 %37.6 %
Luzern50.9 %65.2 %
Schwyz50.5 %65.8 %
Bern50.4 %16.0 %
Basel-Stadt50.3 %19.7 %
Uri49.8 %81.5 %
Aar­gau48.5 %35.4 %
Basel-Land­schaft48.2 %28.5 %
Appen­zell Ausser­rho­den47.5 %30.7 %
Freiburg47.2 %64.0 %
Zürich46.8 %28.0 %
St. Gallen46.8 %47.2 %
Thur­gau46.7 %32.6 %
Graubün­den45.1 %44.0 %
Jura44.4 %68.8 %
Neuen­burg42.4 %24.6 %
Genf42.4 %36.6 %
Waadt41.6 %30.9 %
Appen­zell Innerrho­den37.3 %73.7 %
Glarus34.2 %36.5 %

Quellen:

Titel­bild: DeFac­to

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