Coffee lovers kennen die Situation: Soll man den günstigsten Kaffee für knapp 14 CHF das Kilo kaufen? Eine Marke mit Fairtrade-Label für knapp 20 CHF? Oder den Direkthandel unterstützen und fast 40 CHF pro Kilo ausgeben? Welche Rolle spielen Gerechtigkeit, Umwelt, Handel und Preis beim Kaufentscheid?
Immer mehr Menschen wollen wissen, woher die Produkte stammen, die sie konsumieren und für ihre Kaufentscheidungen Verantwortung übernehmen. Doch die Vielzahl an Labels, Versprechen und Handelsformen macht es schwierig, den Überblick zu behalten. Worin liegen die Unterschiede zwischen den Produkten und ihren Produktionsstätten? Was steckt wirklich hinter Fairtrade? Und gibt es bessere Alternativen?
Ein transdisziplinäres Forschungsprojekt der Social Transitions Research Group der Universität Basel, der BOKU Wien und der Technischen Universität Berlin hat im deutschsprachigen Raum über 300 Organisationen identifiziert, die sich als Alternativen zu konventionellen Lebensmittelketten und Fairtrade verstehen und sich für demokratische Werte sowie nachhaltiges Handeln einsetzen. Ziel des Projekts ist es, zu untersuchen, inwiefern diese sogenannten Trans-local Food Coalitions (TLFCs) tatsächlich zu einer demokratischeren und nachhaltigeren Governance globaler Lebensmittelketten beitragen können.
yocafe.ch ist ein Beispiel für eine solche TLFC, die alternative Wege im Kaffeehandel geht. Am Beispiel des Kaffees möchte ich in diesem Beitrag zeigen, welche Probleme das globale Ernährungssystem mit sich bringt und wie sich konventionelle und Fairtrade-Angebote von jenen der TLFCs unterscheiden.
Was alles gegen konventionellen Kaffee spricht
Kaffeebäuerinnen und -bauern stehen weltweit vor grossen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Der Markt ist von starken Preisschwankungen geprägt, während die Produktionskosten stetig steigen. Gleichzeitig führen Schädlinge, Abholzung und Klimawandel zu sinkenden Erträgen und bedrohen traditionelle Anbaugebiete (Borrella et al. 2015). Hinzu kommen Wasserverschmutzung, Bodenerosion und die Ausbeutung von Arbeitskräften (vgl. Bager & Lambin 2020).
Generell tragen globale Wertschöpfungsketten häufig mehr zu Armut und Ungerechtigkeit bei als zu verringern (Bennett & Grabs 2025). Auch im Kaffeesektor zeigt sich diese Dynamik deutlich: Einkommens- und Vermögensunterschiede zwischen Kaffee exportierenden Ländern und den Hauptimportländern sind erheblich (Borrella et al. 2015). Vor allem Röstereien, Händler und Detailhändler sichern sich den grössten Teil der Wertschöpfung, während nur ein geringer Anteil im Produktionsland verbleibt (ebd.).
Fairwashing?
Fairtrade versucht, diesen Missständen entgegenzuwirken, indem Mindestpreise garantiert und eine zusätzliche Prämie gezahlt wird. Ziel ist es, den Produzenten stabile Einkommen zu sichern und Investitionen in Gemeinschaftsprojekte zu ermöglichen. Doch die Wirkung ist begrenzt: Sind die Weltmarktpreise hoch, bringt der garantierte Mindestpreis kaum Vorteile; bei niedrigen Preisen sind Käufer*innen oft nicht bereit, mehr zu zahlen (Bennett & Grabs 2025). Hinzu kommt, dass sich Produzent*innen zertifizieren lassen und Gebühren zahlen müssen – ohne Gewissheit, dass sich diese Investition lohnt. Auch in den Entscheidungsstrukturen dominieren die Interessen der Konsumländer: Produzent*innen sind zwar vertreten, haben aber wenig Einfluss auf zentrale Prozesse (Bennett & Grabs 2025). Fairtrade-Kaffee verändert die grundlegenden Machtverhältnisse in globalen Lieferketten nur sehr begrenzt.
Direkt und persönlich: Wie TLFCs den Handel verändern
Einige Initiativen gehen über Fairtrade hinaus und suchen nach alternativen Handelsformen, vor allem, weil die weltweite Kaffeeproduktion ihren Sättigungspunkt erreicht hat, während der Konsum weiter steigt (Borrella et al. 2015). Eine dieser Alternativen ist der Direkthandel: Hier stehen Röster*innen und Produzent*innen direkt miteinander in Kontakt, bauen langfristige Beziehungen auf und verhandeln Preise eigenständig (Borrella et al. 2015). Bennett und Grabs (2025) betonen, dass solche Modelle das Potenzial haben, Produzent*innen höhere Einnahmen zu sichern und ihr Einkommen langfristig stabil zu halten.
Eine andere Art des Kaffeehandels ist möglich
TLFCs zeigen: Ein gerechterer und nachhaltigerer (Kaffee)handel ist machbar – und Konsument*innen können durch bewusste Kaufentscheidungen aktiv dazu beitragen: auf Kaffee aus Direkthandel setzen, alternativ Demeter-Getreidekaffee ausprobieren – und insgesamt weniger konsumieren.
Referenzen:
- Bager, S. L. & Lambin, E. F. (2020). Sustainability strategies by companies in the global coffee sector. Business Strategy and the Environment, 29(8), 3555–3570. https://doi.org/10.1002/bse.2596
- Bennett, E. A. & Grabs, J. (2025). How can sustainable business models distribute value more equitably in global value chains? Introducing “value chain profit sharing” as an emerging alternative to fair trade, direct trade, or solidarity trade. Business Ethics, the Environment & Responsibility, 34(2), 581–601. https://doi.org/10.1111/beer.12666
- Borrella I., Mataix, C. & Carrasco-Gallego, R. (2015). Smallholder Farmers in the Speciality Coffee Industry: Opportunities, Constraints and the Businesses that are Making it Possible. IDS Bulletin, 46(3), 29–44. https://doi.org/10.1111/1759-5436.1214
- yocafe.ch. (o. D.). Nachhaltigkeit. Abgerufen am 5. November 2025, von https://yocafe.ch/nachhaltigkeit
- yocafe.ch. (o. D.). yocafe. Abgerufen am 5. November 2025, von https://yocafe.ch/yocafe
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