Soziales Vertrauen in der Schweiz: Ältere gewinnen, Junge stagnieren

In der 44. Ausgabe der Zeitschrift Social Change in Switzerland zeigen Claire Janssen, Ursina Kuhn und Marieke Voorpostel, dass das soziale Vertrauen in der Schweiz seit Beginn der 2000er Jahre nicht abgenommen hat – anders als in den Vereinigten Staaten. Lediglich beim Alter lassen sich unterschiedliche Entwicklungen feststellen. Während das Vertrauen der über 65-Jährigen deutlich zugenommen hat, stagniert das Vertrauen der Jugendlichen. Die Babyboomer weisen das höchste Vertrauensniveau auf, die Generation Z das niedrigste.

Die Studie stützt sich auf das Schweizer Haushalts-Panel (2005–2024) und den European Social Survey (2002–2022). Das soziale Vertrauen wird auf einer Skala von 0 bis 10 gemessen, von «man kann nie vorsichtig genug sein» bis «man kann den meisten Menschen vertrauen». Beide Erhebungen stimmen überein: Das Vertrauen nahm zwischen 2005 und 2011 leicht zu, erreichte 2017–2018 einen Höhepunkt und blieb seitdem stabil. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo jede Generation weniger soziales Vertrauen hat als die vorherige, gibt es in der Schweiz keine Krise des Vertrauens.      

Hinter dieser Stabilität verbergen sich Unterschiede hinsichtlich Bildung, Nationalität und Religiosität: Personen mit Tertiärabschluss, Schweizer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sowie sehr religiöse Menschen sind vertrauensvoller. Diese Unterschiede sind über die Zeit hinweg konstant. Eine Ausnahme bildet das Alter: Während das Vertrauen der über 65-Jährigen seit 2005 deutlich zugenommen hat, stagnierte oder nahm das Vertrauen der 14- bis 25-Jährigen zwischen 2014 und 2022 sogar ab, bevor es wieder leicht anzog.

Um zwischen alters- und generationsbedingten Effekten zu unterscheiden, analysieren die Autorinnen fünf Kohorten – von der Silent Generation (geboren vor 1946) bis zur Generation Z (ab 1997). Das Vertrauen nimmt mit dem Alter zu, besonders ausgeprägt zwischen 18 und 30 Jahren. Generationsbedingt weisen die Babyboomer (1946-1964) das höchste Vertrauen auf, während die Generation Z ein etwas niedrigeres Niveau aufweist.

Während der Anstieg des Vertrauens bei den Älteren eine gute Nachricht für den sozialen Zusammenhalt ist, verdient die Stagnation bei den Jugendlichen Beachtung: Die Generation Z wächst in einem Umfeld vielfältiger Krisen auf – Pandemie, Klimawandel, prekäre Wohnverhältnisse –, das der Entwicklung von Vertrauen wenig förderlich ist. Sollte sie das Niveau früherer Generationen nicht erreichen und die Babyboomer durch misstrauischere Kohorten abgelöst werden, könnte die derzeitige Stabilität ins Wanken geraten.


Referenz:

  • Janssen, C., Kuhn, U. & Voorpostel, M. (2026). Soziales Vertrauen in der Schweiz (2002–2024): Ältere gewinnen, Junge stagnierenSocial Change in Switzerland, N°44, www.socialchangeswitzerland.ch

Bild: Unsplash

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