Vertrauen und Demokratie – Aarauer Demokratietage

2024 war der «Unterschriften-Bschiss» in aller Munde und wurde sogar zum Wort des Jahres gekrönt. Kommerziellen Organisationen wurde vorgeworfen, sie würden Unterschriftensammlungen gezielt und systematisch manipulieren. Damit war das Vertrauen vieler Menschen in der Schweiz in Unterschriftensammlungen – und damit in demokratische Prozesse – angeschlagen.

Aarauer Demokratietage

Vertrauen ist tragendes Element von Demokratie und Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit der Regierung. Bürger:innen müssen sicher sein können, dass staatliche Informationen verlässlich sind, dass Verfahren fair ablaufen und dass politische Akteur:innen sich am allgemeinen Wohl orientieren. Gerade in der Schweiz mit ihrer halbdirekten Demokratie ist Vertrauen notwendig, dass sich Bürger:innen an Wahlen und Abstimmungen beteiligen und dass die Demokratie widerstandsfähig gegen Desinformation und Polarisierung bleibt.

Auf welches und auf wieviel Vertrauen der Bevölkerung können also Politik, Verwaltung und Medien heute noch bauen? Wie stellen diese Akteur:innen auf der anderen Seite das Vertrauen her? Wie kann insbesondere die Bundeskanzlei vor diesem Hintergrund mit ihren Botschaften Vertrauen der Bevölkerung herstellen und bewahren? Wie gelingt ihr eine vertrauensbildende Kommunikation im Vorfeld von Volksabstimmungen und welches sind die Herausforderungen? Was braucht es, dass der Brückenschlag in Zeiten von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz, Fragmentierung der Gesellschaft und tiefgreifender Veränderungen in der Medienlandschaft gelingt? Diese und weitere Fragen werden an den Aarauer Demokratietagen vom 12. bis 13. März 2026 diskutiert:

Die Demokratietage umfassen zwei Teile: einen öffentlichen Abendanlass sowie eine wissenschaftliche Konferenz.

Abendanlass – «Vertrauen in die Demokratie – worauf bauen Verwaltung, Politik und Medien?» DO 12. März 2026, 18.00 – 20.00 Uhr

Den Auftakt bildet eine Keynote von Bundeskanzler Viktor Rossi, gefolgt von einer Podiumsdiskussion mit Cornelia Diethelm, Flavien Gousset, Urs Leuthard und Camille Lothe. Moderiert wird der Abend von Daniel Kübler.

Wissenschaftliche Konferenz – «Democracy without trust?» DO 12. März 2026, 13.30 – 17.00 Uhr / FR 13. März 2026, 9.00 – 17.00 Uhr

Die Konferenz beleuchtet in fünf Panels und einem abschliessenden Roundtable zentrale Fragen zu Demokratie, Vertrauen und politischer Bildung.

Panel 1 – «Politicization and Polarization of Non-Political Institutions» Wie werden unparteiische Institutionen wie Schulen, Gerichte und die Polizei politisiert? Welche Folgen hat dies für die demokratische Legitimität und das Vertrauen der Bürger? Gibt es Möglichkeiten, wichtige Institutionen zu „entpolarisieren“?

Panel 2 – «How Trust Matters for the Functioning and Stability of Democracy» Warum ist Vertrauen für die Wirksamkeit demokratischer Regierungsführung wichtig? Wie beeinflusst Vertrauen die Einhaltung von Regeln und Richtlinien? Kann eine Demokratie funktionieren, wenn das Vertrauen dauerhaft gering ist?

Panel 3 – «Citizenship Education in Schools and Beyond» Wie kann man Schülern beibringen, sowohl kritische als auch vertrauensvolle Bürger zu werden? Welche Rolle spielen Sozialisationsinstanzen wie Schulen, Vereine, Familie usw. bei der Herausbildung von politischer Unterstützung und demokratischem Engagement? Wie kann man Bürger dazu mobilisieren, demokratische Institutionen zu verteidigen und sich kritisch zu engagieren?

Panel 4 – «Trustworthy Institutions? Critical Perspectives» Welche institutionellen Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Bürger Institutionen als vertrauenswürdig ansehen? Inwiefern untergraben Korruption, Ressourcenmangel und politische Einmischung das Vertrauen? Können die Unabhängigkeit der Justiz und verfassungsrechtliche Garantien politischem Druck standhalten? Was erwarten wir von den Bürgern, wenn Institutionen ihr Vertrauen nicht verdienen?

Panel 5 – «Trust and Misinformation in the Age of AI and Digitalization» Wie verändern Fehlinformationen und KI das Vertrauen in Medien und Institutionen? Welche Rolle kann politische Bildung bei der Förderung der Widerstandsfähigkeit gegen Manipulation spielen? Kann die Demokratie durch gesetzliche Regelungen geschützt werden, ohne die freie Meinungsäusserung einzuschränken?

Roundtable – «Trustworthy Journalism» Wie wirkt sich eine fragmentierte Medienlandschaft auf das Vertrauen in den Journalismus aus? Unterstützen oder untergraben die derzeitigen gesetzlichen Schutzmassnahmen und Vorschriften die Vertrauenswürdigkeit der Medien? Wie kann der Journalismus angesichts zunehmenden wirtschaftlichen Drucks und knapper Ressourcen vertrauenswürdig bleiben?


Die Aarauer Demokratietage 2026 finden am 12. und 13. März 2026 in Aarau statt. Hier geht’s zur Anmeldung und dem ausführlicheren Programm!

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