Die staatliche Integrationsvermutung

Einbürgerung und Integration sind zwei eng verknüpfte Begriffe, die immer wieder zu gesellschaftlichen, politischen und medialen Kontroversen Anlass geben. Auch im Rahmen der vorgeschlagenen erleichterten Einbürgerung der 3. Ausländergeneration steht die Frage der «Integration» zur Diskussion: Kann und soll der Staat vermuten, dass eine ausländische Person der 3. Generation integriert ist? Oder muss diese Person ihre «Integration» beweisen?

Warum eine Einbürgerung für die dritte Ausländergeneration wichtig ist

Was nützt die Staatsbürgerschaft? Die Abstimmung über die erleichterte Einbürgerung von Personen der dritten Ausländergeneration vom 12. Februar wirft diese Frage auf. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Nutzen der Staatsbürgerschaft über die politische Mitsprache hinausgeht. Noch wichtiger als jeglicher greifbare Nutzen scheint darum das Signal, das mit der anstehenden Abstimmung ausgesendet wird.

La naturalisation accélère l’intégration

Les migrants qui ont obtenu le passeport suisse lors d’une votation anonyme dans leur commune sont mieux intégrés dans la société suisse que les migrants dont la demande de naturalisation a été refusée. C’est le résultat de l’étude citizenship.ch des universités de Zurich, Stanford, Mannheim et London School of Economics, soutenue par le Fonds national suisse (FNS).

Der rote Pass beschleunigt die Integration

Migranten, welche die Schweizer Staatsbürgerschaft vor mehr als 15 Jahren an einer Urnenabstimmung in ihrer Gemeinde knapp erhielten, sind heute sozial viel besser integriert als Migranten, deren Gesuche an der Urne knapp abgelehnt wurden. Zu diesem Schluss kommt die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie citizenship.ch der Universitäten Zürich, Stanford und der London School of Economics.

Wieso Asylsuchende nicht überall gleichermassen in den Arbeitsmarkt integriert werden

Die Zeit, während der Asylsuchende auf ihren Asylbescheid warten, verursacht hohe Kosten für die Sozialwerke. Diese Kosten könnten mit einer schnellen Integration der Asylsuchenden in den Arbeitsmarkt gesenkt werden. Allerdings steht die negative Wahrnehmung von Asylsuchenden dem im Weg, vor allem in den Kantonen, in denen eine starke Linke fehlt.  

Bedenkliches Demokratiedefizit der Schweiz: Ein Viertel der Bevölkerung ist von demokratischer Mitbestimmung ausgeschlossen

Die Schweiz verweigert fast einem Viertel ihrer erwachsenen Bewohnerinnen und Bewohner weitgehend die politischen Rechte. Das damit verbundene Demokratiedefizit ist in der Schweiz deutlich stärker ausgeprägt als in den allermeisten anderen europäischen Demokratien. Das zeigt der Vergleich von zwanzig EU-Staaten und der Schweiz anhand des Immigrant Inclusion Index (IMIX), der an der Universität Luzern entwickelt wurde.